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Giulio Andreotti, die Südtirolfrage und Österreich (1972–1992)
und Vertrauten Andreottis zum Thema Südtirol, zugeordnet werden kann27,
wurde der Fortschritt der Arbeiten innerhalb der gemischten Kommission
zur Umsetzung des Pakets unter die Lupe genommen. Laut Berloffa wusste
die österreichische Regierung sehr wohl, dass die Italiener bei der Durch-
führung des Pakets für die Verzögerungen keine Verantwortung trugen,
sondern diese vielmehr dadurch bedingt waren, dass sich die SVP möglichst
große Zugeständnisse sichern wollte,
sowohl hinsichtlich des Inhalts der Dekrete und der detaillierten Aufteilung
der jeweiligen Zuständigkeiten zwischen Staat und autonomen Gebietskör-
perschaften, wodurch sich in Zukunft Konflikte vermindern ließen, als auch
hinsichtlich der Bereicherung, die so ein autonomistisches System darstellen
kann, und schließlich weil diese Zufriedenheit dazu beitragen kann, die sich
im Jahr 1969 beim SVP-Kongress herauskristallisierten krassen Gegensätze
innerhalb der Partei zu überwinden, als das „Paket“ von einer schwachen
Mehrheit bewilligt wurde (also 52% gegen 48%). Indem die SVP den Lan-
deshauptmann-Stellvertreter Benedikter (der bestimmt strikteste und hartnä-
ckigste Gegner des Pakets) als einen der Vertreter der Kommission gewählt
hat, konnte die Partei eine Übereinstimmung in Hinblick auf eine breitere
Auslegung der Statutsvorschriften erzielen und somit die einst beherrschen-
de Einheit innerhalb der Partei wieder salonfähig machen. Dies ist in Wien
sehr wohl bekannt und die Wiener Regierung findet keine Argumente, um
die SVP zu einer anderen Strategie zu überreden, die offensichtlich die poli-
tische Verantwortung in Zusammenhang mit den bilateralen Beziehungen,
mit den parteiinternen Beziehungen sowie auch für die Beziehungen mit der
italienischsprachigen Volksgruppe in Südtirol allein auf die Regierung in Rom
abwälzt28.
Es sei darauf hinzuweisen, so Berloffa, dass die bisher von der Regierung ver-
abschiedeten Maßnahmen und die Durchführungsvorschriften sowie auch
die Arbeitsmethoden der Kommission im Einvernehmen mit den lokalen Ver-
27 Zu Alcide Berloffa und seiner Rolle bei den politischen Ereignissen im Südtirol siehe
Alcide Berloffa, Gli anni del Pacchetto. Ricordi raccolti da Giuseppe Ferrandi (Bolzano 2004).
28 ILS, AA, Austria, b. 792, Alcide Berloffa, Anmerkung vom 15. April 1977, als Anhang
für das italienische Außenministerium, Unterlagen zur Vorbereitung auf den Besuch des
österreichischen Außenministers Willibald Pahr (Rom, 5.–6. Mai 1977). (Übers. d. Verf.)
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918