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Luciano Monzali
tretern vereinbart worden waren: Versammlungen und Vertagungen waren
immer mit den Südtiroler Delegierten abgesprochen oder auf ihren Vorschlag
hin beschlossen worden. Die SVP habe regelmäßig die angeblichen Verzöge-
rungen Italiens bei der Verabschiedung etlicher Vorschriften des Pakets be-
mängelt. Tatsächlich handelte sich aber oft um einen Vorwand, um eine ex-
tensive Auslegung des Pakets bei der gemischten Kommission einzufordern29.
In den 1970er-Jahren intensivierten sich allmählich die Beziehungen
zwischen Italien und Österreich vor allem auf wirtschaftlicher und kultu-
reller Ebene. Auch dank des Abkommens mit der EWG verstärkte sich zu-
sehends der Wirtschaftsaustausch zwischen Österreich und Italien30. Be-
merkenswert war auf kultureller Ebene der Einsatz einiger italienischer und
österreichischer Intellektueller, die ein besseres Kennenlernen beider Völker
fördern wollten. So setzten sich Historiker wie Franco Valsecchi, Angelo Ara
und Adam Wandruzska, Politiker wie Bruno Kessler, Schriftsteller und Her-
ausgeber wie Claudio Magris und Roberto Calasso dafür ein, beide Kulturen
in Italien und Österreich zu verbreiten und die Geschichte der Beziehungen
zwischen Italienern und Österreichern neu auszulegen – und zwar nicht
mehr als eine Geschichte zweier Antagonisten, sondern als eine Geschichte
der Zusammenarbeit und Gemeinsamkeiten.
Was die italienisch-österreichischen politischen Beziehungen betrifft,
intensivierten sich die Kontakte zwischen Rom und Wien erst im Laufe der
1980er-Jahre, als zum einen in Italien erneut eine Mitte-Links-Regierung an
die Macht kam, welche die PCI ausschloss, und zum anderen sich die politi-
sche Laufbahn Bruno Kreiskys langsam ihrem Ende zuneigte.
Im August 1983 schien die Bildung einer neuen Regierung unter Betti-
no Craxi, dem dynamischen Chef der Sozialisten, auch für das italienisch-ös-
terreichische Verhältnis neue Perspektiven zu eröffnen. Seit einigen Jahren
schon war Craxi außenpolitisch engagiert und hatte zahlreiche internationale
Verbindungen geknüpft, vor allem mit den deutschen Sozialdemokraten und
den österreichischen Sozialisten. Giulio Andreotti, der nach dem Ende der
29 Ebd. Siehe dazu auch Fausto Bacchetti, Attraverso mezzo secolo. Memorie di un testi-
mone dalla politica italiana alla diplomazia internazionale (Bologna 1988).
30 Einige Informationen und Angaben finden sich in: Fritz Breuss, Italien und Österreich
angesichts der Herausforderung des Binnenmarktes, in: Österreich-Italien. Was Nachbarn von-
einander wissen sollten, hrsg. von Michael Morass, Günther Pallaver (Wien 1992) 181–222.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918