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Luciano Monzali
Eine Bilanz über die Umsetzung des Südtirol-Pakets zog die italienische Di-
plomatie im Zuge der Vorbereitungen auf das Treffen in Wien zwischen An-
dreotti und dem österreichischen Außenminister Leopold Gratz, das für den
11. Mai 1985 anlässlich des 30. Jubiläums des österreichischen Staatsvertrages
angesetzt worden war. Laut der italienischen Diplomatie seien die österrei-
chisch-italienischen Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg stark von der
Südtirolfrage beeinflusst worden und dies trotz des entscheidenden Wald-
heim-Moro-Abkommens von 1969. Deswegen hatten sich die Beziehungen bis
dahin wegen der internen Unstimmigkeiten rund um die Umsetzung des Pakets33
nicht vollkommen entfalten können. Es sei aber im gemeinsamen Interesse
aller gewesen, diese Beziehungen auszubauen, um sowohl eine gute Nach-
barschaftspolitik zu gewährleisten als auch den laufenden Veränderungen
der europäischen Politik gerecht zu werden. Denn Italien hätte zusammen
mit Deutschland eine Vermittlerrolle zwischen Österreich, den europäischen
und den westlichen Institutionen spielen können34. Zu diesem Zweck war es
notwendig, das Paket schnell umzusetzen. Seit dem Inkrafttreten des Statuts
für die Region Trentino-Südtirol am 20. Jänner 1972 waren 47 Vorschriften
verabschiedet worden, darunter jene über den Schutz der deutschsprachigen
Bevölkerung im Schulsystem und über den Proporz im öffentlichen Dienst.
Für die vollständige Durchführung des Pakets fehlten aber noch einige Be-
stimmungen. Die wichtigsten betrafen die Anwendung der deutschen Spra-
che in den öffentlichen Ämtern und bei Gerichtsverfahren, bei Telekommu-
nikation und Verkehrswesen sowie Vorschriften bezüglich der finanziellen
Beziehungen zwischen Staat und Provinz35. Weiters bestand keine Einigkeit
über die Forderung der SVP, wonach die Angeklagten im Rahmen eines Ge-
richtsverfahrens verpflichtet sein sollten, die bei der Volkszählung erklärte
Sprache zu verwenden. Was Verkehrswesen und Telekommunikation anbe-
in Wien siehe Monzali, Giulio Andreotti e le relazioni italo-austriache 1972–1992 44 ff. Von
Spannungen in den italienisch-österreichischen Beziehungen finden sich hier mehrere Be-
weise: ILS, AA, Austria, b. 791, Berloffa an Andreotti, 13. Februar 1984, mit zwei unpublizier-
ten Anlagen.
33 ILS, AA, Austria, b. 791, Ministero degli Affari Esteri, Italia ed Austria nel contesto
bilaterale ed internazionale, ohne Datum (aber Mai 1985).
34 Ebd.
35 ILS, AA, Austria, b. 791, Ministero degli Affari Esteri, Fortschrittszustand bei der
Durchführung des Pakets, Ohne Datum (aber Mai 1985).
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918