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Luciano Monzali
betonte allerdings, Österreich müsse dazu bereit sein, mit den europäischen
Partnern die Lösung einiger Fragen abzustimmen, wie etwa die des Fernver-
kehrs auf den Autobahnen. Außerdem unterstrich er, dass die Zeit reif sei
für eine rasche Verabschiedung des Südtirol-Pakets, die seine Regierung in
Angriff nehmen wolle56.
Trotz des Drängens der Bonner Regierung zögerte die Europäische
Gemeinschaft die Verhandlungen über die Aufnahme Österreichs hinaus, da
sie in Sorge war, damit Moskau zu irritieren. Am 28. Juli 1989 beauftragte
der Europäische Rat die Kommission, das Dossier mit dem österreichischen
Beitrittsersuchen zu studieren und dazu Stellung zu nehmen57. Es sollten
allerdings zwei Jahre vergehen, bis die Kommission am 1. August 1991 ihr
weitgehend positives Gutachten über den EWG-Beitritt Österreichs vorlegte.
Die Verzögerung ist dadurch zu erklären, dass einige europäische Staaten,
vor allem Frankreich und Spanien, die Aufnahme Österreichs hinauszögern
wollten, um abzuwarten, bis sich die Lage auf dem europäischen Kontinent
geklärt und stabilisiert habe und der Prozess der institutionellen Umstruktu-
rierung innerhalb der EWG abgeschlossen sei.
Der Sinneswandel der Sowjetunion war der Schlüsselfaktor, der neue
Perspektiven für einen österreichischen EWG-Beitritt eröffnete. Während
sich Moskau im August 1989 zwar in einem an Wien gerichteten Schreiben
gegen einen Beitritt Österreichs aussprach, zeigte sich Gorbatschow kompro-
missbereit, sodass einer Annährung Österreichs an Brüssel nichts mehr im
Wege zu stehen schien58.
Am 1. August 1991 legte die europäische Kommission ihre Stellung-
nahme über den Beitrittsantrag Österreichs vor. Diese war überwiegend posi-
tiv, wobei aber auch auf einige Probleme hingewiesen wurde, die es zu lösen
galt59. Die Kommission unterstrich die guten Beziehungen zwischen Öster-
reich und der Europäischen Gemeinschaft sowie den hohen Integrationsgrad
Österreichs mit der EG. Die österreichische Wirtschaftslage zeichnete sich
56 ILS, AA, Trentino-Alto Adige, b. 21, Ministero degli Affari Esteri, Pressemitteilung
vom 6. Juli 1989.
57 Gehler, Österreichs Außenpolitik der Zweiten Republik, Bd. 2 619.
58 Martin Eichtinger, Helmut Wohnout, Alois Mock: ein Politiker schreibt Geschichte
(Wien–Graz–Klagenfurt 2008) 246 ff.
59 Siehe dazu ILS, AA, Trentino-Alto Adige, b. 21, Ministero degli Affari Esteri, CEE-Aus-
tria, 13. November 1991; Gehler, Österreichs Außenpolitik der Zweiten Republik, Bd. 2 754 ff.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918