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Luciano Monzali
italienischen Note dem Kopenhagener Abkommen entspreche78. Mock dankte
Andreotti und dem italienischen Staatspräsidenten Francesco Cossiga für die
Zielstrebigkeit, mit der sie die Autonomie der Provinz Bozen vorantrieben.
Die österreichische Regierung hatte den Text der italienischen Note
bereits diskutiert und die Aussichten auf eine Beilegung des Streites in naher
Zukunft positiv eingeschätzt: Vor allem Bundeskanzler Vranitzky hatte den
Vorbildcharakter des juristischen Status der Provinz Bozen für ganz Europa
betont und sich lobend über die Bemühungen beider Seiten geäußert, den
Konflikt zu lösen, während die Vertreter der ÖVP zwar optimistisch waren,
aber auf die anstehende Entscheidung der SVP verwiesen.
In diesem Zusammenhang hatte Mock auch auf die künftige Verhandlung
über den italienisch-österreichischen Freundschaftsvertrag hingewiesen,
wie im Punkt 18 des „Operationskalenders“ vorgesehen. Die Beamten am
Ballhausplatz seien gerade dabei, diesbezüglich einen Text anzufertigen. Er
gab dann seiner Hoffnung Ausdruck, dass Italien die Abschaffung der alten
schwarzen Listen, die den wegen Terrorismus Verurteilten den Zutritt nach
Italien verwehrte79, in Betracht ziehen würde.
An den Tagen danach wuchs die Unruhe im Vorstand der SVP, die
für Ende Mai eine außerordentliche Landesversammlung der Partei einbe-
rief, um über den Abschluss des Pakets abzustimmen. Die Zugeständnisse
der italienischen Regierung waren für Riz und Magnago nicht ausreichend,
sie fürchteten, dass die Justiziabilität durch den Haager Gerichtshof nicht ga-
rantiert sei und verlangten zusätzliche juristische und politische Zusicherun-
78 Quaroni merkte an, „dass die Österreicher sich an die informellen Vereinbarungen,
die Ende Januar getroffen wurden, inhaltlich und nur teilweise förmlich gehalten hatten.“
Somit wurde aus der vereinbarten einfachen Kenntnisnahme der Verbalnote durch die
Österreicher in weiterer Folge ein Austausch von mehreren Verbalnoten: „Die Verbalnote
kommt inhaltlich der Verpflichtung nach, unsere Mitteilung zur Kenntnis zu nehmen. In
der Form weist diese Verbalnote (mit unserem aufgezeichneten Text) allerdings auf einen
typischen Austausch von Verbalnoten hin, wie Minister Mock kurz vor unserem Treffen in
seinen Aussagen im österreichischen Fernseher anmerkte, um zu unterstreichen, dass dieser
Austausch von Verbalnoten vom Inhalt her den Forderungen der SVP nachkommen soll.“
ILS, AA, Trentino-Alto Adige, b. 21, Quaroni an das Außenministerium, 23. April 1992.
(Übers. d. Verf.)
79 Ebd.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918