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Giulio Andreotti, die Südtirolfrage und Österreich (1972–1992)
gen80. Riz verließ Rom am 6. Mai, um mit Mock und der Wiener Regierung, die
eine baldige Schlichtung des Streites mit Italien befürwortete, zu sprechen.
An jenem Tag traf sich der SVP-Vorsitzende in Begleitung von Ludwig
Steiner, dem Hauptberater Mocks für Südtirol, auch mit dem italienischen
Botschafter Quaroni. Riz schilderte die dramatische Lage innerhalb seiner
Partei, da er große Schwierigkeiten mit den Gegnern der österreichischen
Streitbeilegungserklärung habe. Er halte einen positiven Ausgang der außer-
ordentlichen Landesversammlung Ende des Monats für unsicher, es sei denn,
er könne den Beweis erbringen, dass Italien garantiere, ohne Zustimmung der
deutschsprachigen Südtiroler in Zukunft keine Änderungen am Autonomie-
status vorzunehmen: Zu diesem Zweck müsse, nach Ansicht von Riz, der in
Kopenhagen vereinbarte Wortlaut der Streitbeilegungserklärung unbedingt
„aktualisiert“ werden, um den Forderungen der SVP entgegenzukommen81.
Auf der einen Seite übten in jenen Wochen die Wiener Regierung, die Öster-
reichische Volkspartei und die Sozialdemokraten, starken Druck auf die SVP-
Führung aus, um sie von der Notwendigkeit zu überzeugen, den Südtirol-
Konflikt endgültig beizulegen82. Dabei legten sie das Augenmerk auf die
Zugeständnisse, die Italien schon gemacht hatte. In diesem Zusammenhang
spielte der Tiroler Ludwig Steiner, der als Vermittler zwischen der Österrei-
chischen Volkspartei und der SVP fungierte, eine entscheidende Rolle.
Auf der anderen Seite erklärte sich Italien angesichts des Risikos, Wien
könnte ohne das Placet der SVP die Beendigung der Kontroverse blockieren,
einverstanden, den 1969 abgestimmten Wortlaut der Streitbeilegungserklärung
neu zu formulieren. Am 29. Mai, also einen Tag vor dem Meraner Kongress
der SVP, beschlossen Italien und Österreich einvernehmlich, den Wortlaut der
in Kopenhagen ausgehandelten österreichischen Streitbeilegungserklärung
abzuändern: Der Text enthielt nun auch Hinweise auf die italienische Note
vom 22. April sowie auf Andreottis Erklärungen vom 30. Jänner 1992 bezüg-
lich der Maßnahmen des Pakets und der Autonomiestatuten von 1972.
Am 30. Mai fand in Meran die außerordentliche Landesversammlung
der SVP statt, die mit einer Mehrheit von 82,86 Prozent für den Abschluss
80 ILS, AA, Trentino-Alto Adige, b. 21, Quaroni an das Außenministerium, 6. Mai 1992:
ILS, AA, Trentino-Alto Adige, b. 21, Quaroni an das Außenministerium, 7. Mai 1992.
81 ILS, AA, Trentino-Alto Adige, b. 21, Quaroni an das Außenministerium, 7. Mai 1992.
82 Siehe dazu Eichtinger, Wohnout, Alois Mock: ein Politiker schreibt Geschichte 302.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918