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Luciano Monzali
des Pakets stimmte. Anfang Juni billigten die Regierung und das Parlament
des Bundeslandes Tirol das Paket und erkannten seine Umsetzung an. In der
Zwischenzeit wurden vom 25. bis 27. Mai innerhalb eines Unterausschusses
des Nationalrats Gespräche über die Umsetzung des Pakets geführt83. Am 5.
Juni gelangte die Diskussion des Pakets in den Wiener Nationalrat, der nach
fünfeinhalb Stunden Debatte, die vom ö Fernsehen direkt übertragen wurde,
für die österreichische Streitbeilegungserklärung an Italien stimmte84.
Die Einzigen, die sich der Schlichtung der Südtirol-Frage widersetz-
ten, waren die Abgeordneten der FPÖ Haiders sowie die politischen Paten
und Förderer der radikalen nationalistischen Gruppe Union für Südtirol von
Alfons Benedikter und Eva Klotz.
Am 10. Juni trat das bilaterale italienisch-österreichische Abkommen
in Kraft, das sich auf das Verhältnis zwischen den beiden Ländern den Arti-
kel 27, Buchstabe a) der 1957 verabschiedeten europäischen Konvention zur
friedlichen Regelung von internationalen Streitfragen bezog85. Am 11. Juni
übergab das österreichische Außenministerium Botschafter Quaroni eine
Verbalnote mit der österreichischen Streitbeilegungserklärung86. Ebenfalls
am 11. Juni nahm die Farnesina mit einer eigenen Note Kenntnis von dem
Empfang der Wiener Erklärung87. Noch am gleichen Tag teilten beide Seiten
den Generalsekretären der UNO und des Europarats die Beilegung des Strei-
tes um die Umsetzung des Gruber-De Gasperi-Abkommens mit.
Die Südtirol-Frage war damit abgeschlossen88. Eine Kontroverse, wel-
che die Beziehungen zwischen der EG und Österreich über viele Jahre hin-
weg behindert hatte, war überwunden, und die Annäherung Österreichs
83 ILS, AA, Trentino-Alto Adige, b. 21, Quaroni an das Außenministerium, 1. Juni 1992.
84 ILS, AA, Trentino-Alto Adige, b. 21, Quaroni an das Außenministerium, 6. Juni 1992; Ettore
Petta, Sì al pacchetto Alto Adige dal Parlamento di Vienna, in: Il Corriere della Sera (6. Juni.1992).
85 Di Ruzza, L’Austria e l’Alto Adige 31.
86 Der Wortlaut der Verbalnote des österreichischen Außenministeriums an den italieni-
schen Botschafter in Wien vom 11. Juni 1992 findet sich in: Monaco, Chiusura della vertenza
sull’Alto Adige, 539 ff.
87 Ebd., 541–542.
88 Zur Reaktion der italienischen Presse auf die Beilegung des Südtirol-Streites siehe
Roma e Vienna hanno messo fine alla storica disputa sull’Alto Adige, in: Il Sole 24 Ore (12.
Juni 1992); L’Austria chiude la vertenza altoatesina con l’Italia, in: La Repubblica (12.6.1992).
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918