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III.2 Tirol: Hall/Tirol – Bürgerspital (Edition Nr. 22–26) 547
weniger jugend oder kindsbetterinnen sich befinden. Versperrung derselben, damit
noch ein noch der andere unter das publicum komme, muß das erste ziel seyn. Übrigens
sind sie nach ihren umständen mit der geringsten kost und wohlfeilesten bekleidung
nach simplester verwaltung und administration samt allen nöthigen an medicis und
chyrurgis zu versorgen. In dieses auszuwählendes abgesöndertes spital kämen alle solche
unglück(liche), von was immer für einen stand sie wären, nur mit dem unterschied, daß
sie nach ihrem stand abgesondert und nur etwas besser in der kost gehalten würden.
Dieses sind also die drey hauptabsätze, auf welche die ausarbeitung muß gegründet
werden. [/] Übrigens, um dazu zu gelangen, müssen annoch folgende anstalten
bevorgehen:
[4.] 1mo Daß alle anjezto in versorgungshäusern wirk(lich) bestehende leüte,
welcher nicht unter diese cathegorien fielen, aus den häusern mit demjenigen entlassen
würden, was sie alljährlich dem hause, alles zusammen genohmen, nach billigkeit zu
stehen gekommen sind, welches ihnen baar auf die hand gezahlt würde, wodurch alle
regiekosten, erhaltung in sartis tectis u(nd) alle auf die fundations und spitalskirchen und
kapellen verwendende beköstigung anheimfielen.
Diese so entlassene leüte bekämen ein zeichen und könten sich, seye es bei befreünden
oder andern leuten, aufhalten, und seye es durch kleine häusliche dienste oder durch
wartung der kinder und dergleichen, zu dem all[/]gemeinen annoch nützlich etwas
beitragen und auch von diesen hausleüten mit einigem nutzen beybehalten werden. Das
zu erhaltende zeichen müsten sie verbunden seyn, beständig zu tragen, um, wenn sie sich
gelüsten ließen zu betteln, welches ihnen schärfstens und gegen verlust ihrer unterhaltes
verbothen würde, leichter erkannt zu werden und um, sobald sie erkrankten, in das
allgemeine spital gegen meldung alsogleich überbracht zu werden, das recht zu haben,
also fiel auch diese beschwerlichkeit weniger aus, daß diese alten leüte als kränklich den
hausleüten nicht zur last blieben.
[5.] 2do Damit den famillen [!], so fundationsplätze haben, nicht zu nahe getreten
würde, so bliebe einer jeden frey, nach den festgesetzten hauptprincipiis, aber nicht anders
eine person, die darein passete, nach belieben zu wählen und zu benennen, und [/] dieses
sowohl zu den stipendiis außer dem haus, als in die erziehungs- und krankenhäuser, nur
wohl bemerkt, daß sie immer nach den festgesezten grundregeln bestünden, und außer
selben nicht angenommen würden.
[6.] 3tio Die durch diese veranlassung leer werdende loca physica, als exempl das große
armenhaus Alserbach, Nepomukenspital, kaiserspital, Sonnenhof u(nd) dergleichen mehr,
würden teils zu krankenhäusern, zu einem waisenhaus, zu einem findelhaus und dann
endlich auch zu einem arbeitshaus verwendet werden können.
[7.] 4to Die verteilung und administration aller dieser stipendien müste auf die
allereinfachste art veranlasst und durch eine christliebende frome bruderschaft zur ehre
Gottes und nächstenliebe auch so, wie die arme leütkassa oder gar von selber geführet
werden [/] und die austheilung und oberaufsicht durch die grundrichter, bürgers und
pfarrers veranlasset werden.
[8.] 5to Alle bey den spitälern oder fundationes vorhandenen kirchen wären
aufzuheben, da sie wie andere aus der pfarr versehen werden könnten, und die stiftungen
in die pfarr abzugeben.
[9.] 6to Alle anjezto zerstreüte kinder müsten in das waisenhaus zusammengezogen
und vereinigt werden, so wie die studierende jugend in dem Nepomuzienspital und
armenhaus müste mit den schon bestehenden piaristenfundationen vereiniget werden.
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Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Spital als Lebensform
- Subtitle
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Volume
- 2
- Authors
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Size
- 17.5 x 24.7 cm
- Pages
- 722
- Category
- Medizin