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VI.6 Steiermark: Graz – Armenhaus, Bürgerspital, Lazarett (Edition Nr. 55–63) 681
wochen, auf welche es fahlet, ohne widerröd fleisßig verrichten, neben und mit ihr und
sambentlich untereinander in fridt, lieb und ainigkheit alß wie leibliche schwöstern leben,
zankh, grein, rauffhandl, [/] fluechen, schelten, Gotts laster, dardurch man nit allein ein
böses exempl und der leüth nachröd, sondern auch Gottes zorn verursacht, ganz und gar
meiden bey grosßer straff und sich etwo die muetter gegen den armen leüthen der gebühr
nach nicht verhalten wurde, könen sie dasselb denen herren inspectorn zu gezimbender
remedierung anzeigen, die werden sodan der gebühr nach aines und anders zu verschaffen
wissen.
[10.] Alle und jede, die etwan in die kürchen oder sonst in die statt gehen wollen,
sollen allezeit vor der rechten oder angesezten muetter erlaubnuß nemben und über die
gegebene zeit, auch keine über nacht bey grosßer straff nicht außbleiben, noch sonsten
dem übermässigen esßen, trinkhen oder anderen unzimblichen sachen nachgehen.
[11.] Auffs feüer und liecht solle die muetter, wie auch die anderen fleisßig achtung
geben, damit kein schaden beschicht, sobald der abend herbey und daß ave Maria leitten
fürüber, soll daß hauß gespört, die muetter die schlissßl zu ihr nemben und keine über
9 uhr außbleiben, auch frembden leüthen über nacht darinen zu ligen durchauß nit
gestatten werde. [/]
[12.] Die so in lazareth mit tott abgehen, deren hineingebrachtes vermögen solle nach
bezallung der richtigen schulden dem larzareth in gemain verbleiben und die weltliche
vätter damit zu disponiren haben.
[13.] Wan nun aine oder die andere diser ordnung gemäsß nit leben oder sonst zankh
und greinhändl anfangen wurde, dieselbe solle man auß christlicher lieb mit gueten ain
oder zweymahl davon abmahnen, wurde aber dises nit helffen, soll man ihr daß dritte
mahl daß h(eilige) allmosen vor ainer ganzen wochen entziehen, hilfft auch dises nit, solle
sie alßdann unverlengt und ohne einiges mitleyden auß dem lazareth verstosßen und nit
mehr hineingenomben werden. Geben und verordnet am feyertag beeder h(eiliger) apostl
Petri und Pauli anno Christi 1667.
Nr. 62
Gebetsordnung des Kleinen Lazaretts in Graz.
Graz, sine dato [18. Jahrhundert]
Archiv: StLA, Weltliche Stiftungsakten 26, K. 145, Nr. 1 (Abschrift 18. Jahrhundert); ebd.,
Nr. 3 (Abschrift)
Specification, waß die 12 armen weiber in dem kleinen lasareth bey s(ank)t Elisabeth
daß ganze jahr hindurch wochentlich und täglich betten und dises unabläsßlich fleisßig
verrichten.
Sontags: In der fruehe umb 5 uhr, daß morgen gebett, sodan die allerhey(lige) litaney
vor daß anligen der ganzen christenheit sambt denen darzue gehörigen 69ten psalm
und gebettern, darauf die h(eilige) h(eilige) dreyfaltigkheit litaney vor ihro kay(serliche)
may(estät) etc. etc., sodan den freudenreichen rosenkranz sambt 5 vatter unßer und sovill
ave Maria vor die lebendige und abgestorbene, auch wird daß sontägliche evangelium
abgelesen, wegen der kranckhen. Nachmitag umb 2 uhr den schmerzhafften rosenkranz,
auch die litaney des siesßen namben Jesu vor geist- und weltliche obrigkheiten nebst dem
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Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Spital als Lebensform
- Subtitle
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Volume
- 2
- Authors
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Size
- 17.5 x 24.7 cm
- Pages
- 722
- Category
- Medizin