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1014 IX.1 Wien: Wiener Bürgerspital (Edition Nr. 144–190)
[16.] Sechzehentens und demnach wegen abgab des samen traidts zum anpauen die
einrichtung beschehen, das allzeit neben dem remanenzer oder einen andern authentischen
officier der geschier- und stadlmayr darbei sein, die solches empfangen sollen, der
remanenzer aber solle daßselbe, wievill desßen täglich und auf was für äckher es geben werde,
aufschreiben und solches nachmahls in eine specification bringen, welche der geschier- und
stadlmayr ferttigen, der remanenzer aber neben ihnen als zeüg underschreiben und sodan
dem khastner zu verificierung seiner außgab einhendigen solle, alß hat er, geschiermayr,
deme, sovill an ihme ligt, alles fleisßes nachzukhomben und dasßelbe zuvollziehen.
[17.] Sübenzehenten deßgleichen ist auch wegen abgab des fuetters für die roß die
anstalt gemacht worden, das jeder[/]zeit der geschiermayr neben denen knechten darbei
sein, der darüber ein ordentliches register halten und darein ihme jedes mahls durch den
khastner einschreiben lasßen solle, wievill geben worden, welches register nachmahls
zu endt diß jahrs der geschiermayr ferttigen und dem khastner, sich desßen bei seiner
raittung zu gebrauchen, zuestellen solle, so geschiermayr ebenermasßen zu beobachten
haben würdt.
[18.] Achtzehentens es hat aber der geschiermayr nicht allein dißes, waß obstehet,
zuverichten, sondern ist auch verbunden, was er weiters dem armen hauß nuzlich
und fürträgliches sehen würdt, zu thuen, des spitals schaden zu wenden und nuzen zu
befürdern, wie es einen getreuen diener zuestehet und er gegen Gott und der obrigkheit
zu verandtwortten wisßen würdt.
[19.] Neünzehentens wann er auch in dißen seinem dienst fählen oder dem armen
hauß schaden thuen solte, solle er desßenthalben jedesmahls vor denen [/] herrn
superintendenten oder einen löblichen statt rath zustehen und red und andtwortt zu
geben haben, das er auch deme allem gehorsamblich nachkhomben und dem armen
hauß gethreu und redlich diennen wolle, desßentwegen solle er vor denen herrn
superintendenten und spitlmaister ein ordentliches jurament ablegen.
[20.] Zwainzigistens damit er aber auch wisße, was er für solch seine diensts
verrichtungen zur besoldung habe, ist solche des jahrs funffzig gulden und zu belohung
eines dienstmenschen zehen gulden, verer hat er zu verkhösstung seiner [!] seines weibs
und der diern täglich zway ächtring gesündt wein (anstatt des weins wirdt derzeit von
spital das weingeldt gegeben), drey paar grosße und zway pärl schwaches brodt; item an
fleischtägen vor sie drey persohnen jedes tags drey pfundt rindtfleisch und ain pfundt ins
khrautt ausßer Erchtags, an welchen sie nur 1½ pfundt und für ain mallzeit khnödl haben,
dan am Sontag und Pfinztag für junges fleisch [/] 1½ pfundt rindtfleisch, wochentlich 1½
pfundt flöckh und ain halben ochßenfueß, am Freytag für ain frischen fisch in geldt 15
xr., Sambstag und andere fasttäg aber jeden 3 xr. vor stockhfisch, zu Ostern, Pfingsten und
Weinnachten, wie auch Fasching und Martiny jedes mahls zway pfundt prädl und zway
pfundt einmachfleisch; körzen yber den ganzen winter 32 pfundt und holz die notturfft,
benebens die freye wohnung und wan er sich wohl halt und verdient macht, hat er forderist
die belohnung von Gott und sodan guette befürderung nach gelegenheit zu erwartten.
Zu urkhundt ist diße instruction mit des burgerspitals gewöhnlich müttern signet geferttigt
und von denen herrn superintendenten und spitlmaister aigenhendig unterschriben, nicht
weniger auch selbe von dem geschiermayr geferttigter bey gem(eine)r statt buechhalterey
gelasßen worden. Actum Wienn burgerspital, den 3. Jan(uar) 1692.
Augustin von Hirneiß, mpria.
Wolff Bernhard Puechenegger, mpria.
Friedrich Sebastian Schultz, spitlmaister, mpria.
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Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Spital als Lebensform
- Subtitle
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Volume
- 2
- Authors
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Size
- 17.5 x 24.7 cm
- Pages
- 722
- Category
- Medizin