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IX.1 Wien: Wiener Bürgerspital (Edition Nr. 144–190) 1031
Instruction eines bey dem wiennerischen burgerspital neü angestelten stadlschaffer auf
der Landtstrassen, wie sich derselbe in seinen dienstverrichtungen zu verhalten habe undt
zwar
[1.] erstens ist derselbe zu besorgung des in burgerspital(erischen) würthschaffts sachen
angestelten subdelegirten commission undt herrn spitlmeister nebst gegenschreiber mit
allen respect und gehorsamb unterworffen, mithin alles das jenige, was ihme in billichen
sachen anbefohlen wirdt, gebührenden fleisses und embsig zu verrichten schuldig.
[2.] Andertens wirdt ihme der spitals stadl auf der Landtstrassen sambt allen darinnen
befündlichen früchten an waitzen, kohrn, gersten, haaber, heu, stroh, brenholtz und
anderen etc. dergestalten anvertrauet, daß er selbe solche alles weegs fleissig zu besorgen
und guet achtung zu geben hat, daß sie wohl verwahret, wie ingleichen die [/] tächer
nicht schadhafft seyen unndt nicht einregne, wann er auch abents dem stadl zuesporret,
sollen die fenster alles fleisses zuegemacht, damit allerhandt hierauß entstehende
ungelegenheiten verhüttet werden; er solle auch zum stadl niemandt anderen die
schlüsseln anvertrauen, sondern selbst morgens denselben auf- undt nachts widerumben
zuespörren; in sonderheit mit keinen liecht aber, ohne hocherhebliche ursach gar nicht,
hineingehen, nebst deme solle er wegen spörrung des grossen thors und kleinen thürls
daselbst ein solche ordnung gleich wie in spital halten, nemblichen in wintter umb 7,
in sommerszeit aber längstens umb 8 bis 9 uhr, und über solche zeit keinen mehr, es
seye dann in herrschaffts anligenheiten hinein noch außlassen, auch keinen frembden
beherbergen, noch viel weniger aufenthalt gestatten.
[3.] Drittens wann es kombt zu einführen, hatt er alles getraydt, es sey aigenes
bau[/]guet oder zechent nach zu zehlen und mit unterschiedt, auf was felder undt
ackher jedes komben, auf zu mörkhen, folgsamb über eingeführte aigenes bauguet dem
herrn spitlmeister ins spitlambt eine specification unter seines und des mayrschaffers
handtschrifft und pettschafft, ingleichen dem herrn zehenthandler über dem zehent
jedoch unter seiner alleinigen ferttigung zuezustellen, die sie sodann bey ihren
rechnungen bey zu bringen haben. Belangendt
[4.] vierttens die arbeith des getraydt, solchesa nemb(lich)a auf dem stadl zu bringen
und auf zu schöbern, haben vorhero die arme, so gehen können, und dienstbothen
gethan, nun mehro aber auf veranlassung einer löb(lichen) subdelegirten commission
undt bis auf weithere verordnung durch gemaine taglöhner verrichtet werden; er,
stadlschaffer, aber solle alles fleisses darbey seyn, die arbeith würthschafftlich angeben
undt zue sehen, daß die zeit nicht vergebens zue gebracht werde, wie er auch keinen
muthwillen noch andere leichtferttigkeiten gestatten, viel weniger das tobackh [/] rauchen
zuelassen, nebst deme hat er über sothan beschehen arbeith ein beglaubte specification zu
formiren und bey verlust seines diensts sich keiner dingen zu unterfangen, ein mehrere
anzahl deren taglöhner einzusezen.
[5.] Fünfftens wann nun das getraydt solchermassen auf dem stadl gekomben, hat
er bey dem herrn spitlmeister darob zu seyn, das zeitlich tröscher aufgenohmen und die
köhrner außgetroschen werden, alwo er aber mahlen alles fleisses zue zu sehen hat, daß
nicht viel in gestroh verbleibe, die köhrner sauber gewunden und darvon nichts enttragen
werden. Nebst dißen
[6.] sechstens hat er daß außgetroschene nach abzug der tröscher gebühr sambt
den tennpast oder reißtraydt dem verordneten casstner, nach dem auf dem casten
a–a Über der Zeile nachgetragen.
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Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Spital als Lebensform
- Subtitle
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Volume
- 2
- Authors
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Size
- 17.5 x 24.7 cm
- Pages
- 722
- Category
- Medizin