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5. Die Verwaltungsebene: Der Sowjetische Teil der
Alliierten Kommission
Bereits während des Zweiten Weltkrieges verhandelten die Alliierten über
eine gemeinsame Verwaltung Österreichs.291 Bezeichnenderweise hinkte je-
doch die Einigung in diesem administrativen Bereich den militärischen Ereig-
nissen nach.292 So bestand nach der militärischen Einnahme bzw. Befreiung
Österreichs die erste und wichtigste Aufgabe der Besatzungsmächte darin,
Ruhe und Ordnung in ihrem Sinne zu erwirken. Diese Aufgabe fiel selbst
nach Kriegsende zunächst beinahe ausschließlich dem Militär zu, das sich als
erster Vertreter der jeweiligen Besatzungsmacht im Land festsetzte. Seine lo-
gistischen Möglichkeiten waren in der vom Krieg gezeichneten Frühphase
einer Besatzung von großer Bedeutung, und zwar für Besatzer und Besetzte
gleichermaßen. Die sowjetischen Oberbefehlshaber richteten die ersten Auf-
rufe an die Bevölkerung Österreichs, die rasch eingesetzten Militärkomman-
danten erteilten verbindliche Befehle über „Maßnahmen zur Aufrechterhal-
tung der Ordnung“. Ohne weitgehende Vorbereitungen fielen den Militärs
administrative Aufgaben zu, die von der Sicherstellung der Ernährung der
hungernden Bevölkerung über die Einsetzung österreichischer Bürgermeis-
ter bis hin zur Etablierung der provisorischen Regierung unter Karl Renner
reichten. Ad-hoc-Maßnahmen waren in vielen Fällen notwendig.293 Bis zur
Etablierung einer eigenen Verwaltungsebene sollte es noch mehrere Monate
dauern.
5.1 „Keine Zeit zu verlieren!“ Im Vorfeld der SČSK
Hinter den Kulissen plante im Frühjahr 1945 eine Arbeitsgruppe der 3. Eu-
ropäischen Abteilung im Volkskommissariat für auswärtige Angelegenhei-
ten die Struktur, personelle Zusammensetzung und die konkreten Aufgaben
des sowjetischen Teils einer gemeinsamen alliierten Kommission, über die
zeitgleich in der Londoner EAC verhandelt wurde. Unter Wahrung „strenger
Geheimhaltung“ wirkte sie direkt mit der Politischen Verwaltung der 3. Uk-
291 Siehe dazu auch das Kapitel A.I.2 „Verhandlungen zu den Besatzungszonen“ in diesem Band.
292 Siehe zu diesem Charakteristikum von Besatzung: Günther Kronenbitter – Markus Pöhlmann –
Dierk Walter, Einleitung, in: Günther Kronenbitter – Markus Pöhlmann – Dierk Walter (Hg.), Besat-
zung. Funktion und Gestalt militärischer Fremdherrschaft von der Antike bis zum 20. Jahrhundert.
Krieg in der Geschichte. Bd. 28. Paderborn – München – Wien – Zürich 2006, S. 11–22, hier: S. 15f.
293 Siehe dazu auch das Kapitel A.III.3.2 „Die Militärkommandanturen: Aufgaben und Pflichten“ in
diesem Band.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918