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5. Die Verwaltungsebene: Der Sowjetische Teil der Alliierten Kommission 231
che dafür lag in der teilweisen Überschneidung ihrer Kompetenzen und der
daraus resultierenden Konkurrenzsituation.311 Koptelov dürfte dabei seinen
Vorgesetzten Kiselev Rückendeckung gegenüber Želtov gegeben haben.
Von einer derartigen Intrige zeugt etwa auch das Schreiben von Nikolaj
M. Lun’kov an Vyšinskij vom 5. Oktober 1945. Darin berichtet der Diplomat,
Koptelov habe ihm mitgeteilt, Oberst Georgij I. Piterskij verbreite inoffiziell
Gerüchte, dass „Generaloberst Želtov während seines Aufenthaltes in Mos-
kau die Frage nach der Schaffung einer neuen Planstelle beim Sowjetischen
Teil der Alliierten Kommission für Österreich – eines Bevollmächtigten des
Sowjetischen Militärkommissars für die Verbindung zur provisorischen Re-
gierung Österreichs – stellen wird“. Für die Funktion sei „angeblich“ Oberst
Piterskij vorgesehen. „Laut den Worten von Genossen Koptelov“, so Lun’kov
weiter, „möchte Želtov mit der Umsetzung dieser Maßnahme Genossen Kise-
lev von einer direkten Verbindung mit der Regierung Renner abschneiden.“
Besonders aufschlussreich ist die Bemerkung am Ende des Schreibens, mit
der Lun’kov den Wunsch nach Diskretion weitergab: „Genosse Koptelov bat,
Genossen Želtov nicht über seine Mitteilung in Kenntnis zu setzen.“ Der Ri-
vale aus dem NKO sollte sich in Sicherheit wiegen und nichts von den Infor-
mationen hinter seinem Rücken erfahren.312
5.2 Der 4. Juli 1945: Bildung und Struktur der SČSK
Nach dieser mehrmonatigen intensiven Planungsphase beschloss der Rat der
Volkskommissare der UdSSR am 4. Juli die Verordnung 1553–355s, wonach
bis zum 15. Juli der „Sowjetische Teil der Alliierten Kommission für Öster-
reich“ zu bilden war.313 Am selben Tag unterzeichneten die Vertreter der Vier
Mächte in der EAC das „Abkommen über die Alliierte Kontrolle in Öster-
reich“ (bekannt als „Erstes Kontrollabkommen“). Dieses sah die Errichtung
einer Alliierten Kommission, an deren Spitze der aus den vier Militärkom-
missaren gebildete Alliierte Rat stehen sollte, eines Exekutivkomitees und der
Abteilungen der Alliierten Kommission vor.314
311 Pavlenko, Österreich im Kraftfeld der sowjetischen Diplomatie, S. 574f.; Knoll – Stelzl-Marx, Der
Sowjetische Teil der Alliierten Kommission, S. 189.
312 AVP RF, F. 066, op. 25, p. 118a, d. 2, S. 53, Schreiben von Lun’kov an Vyšinskij über die Mitteilung
von Koptelov bezüglich der von Želtov geplanten Schaffung einer neuen Planstelle bei der SČSK,
5.10.1945.
313 AVP RF, F. 066, op. 25, p. 119, d. 15, S. 51–55, Beschluss Nr. 1553-355s des Rates der Volkskommis-
sare, Über die Bildung des Sowjetischen Teils der Alliierten Kommission für Österreich, 4.7.1945.
Abgedruckt in: Karner – Stelzl-Marx – Tschubarjan, Die Rote Armee in Österreich, Dok. Nr. 63.
314 Text abgedruckt in: Verosta, Die internationale Stellung Österreichs, S. 66–71; Karner – Stelzl-Marx
– Tschubarjan, Die Rote Armee in Österreich, Dok. Nr. 65. Siehe dazu auch das Kapitel A.III.5.7
„‚Verwaltung und Kontrolle‘: Funktionen“ in diesem Band.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918