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III. Der sowjetische Besatzungsapparat: Struktur und
Funktion232
Die Gründungsverordnung des sowjetischen Apparates orientierte sich
neben den Verordnungen für die Kontrollkommissionen in Ungarn und Ru-
mänien315 sowohl am einen Monat zuvor verabschiedeten Gründungsdekret
der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland316 als auch an den im
Falle Deutschlands verworfenen Planungen für einen „Sowjetischen Teil der
Zentralen Kontrollkommission“. Diese hatten offensichtlich als Vorlage für
die Bezeichnung der SČSK gedient. Im Gegensatz zu Deutschland bestand je-
doch in Österreich aufgrund der bereits gebildeten provisorischen Regierung
keine Notwendigkeit für eine sowjetische Militäradministration.317
Dem Sowjetischen Teil318 der Alliierten Kommission kam primär die Funk-
tion „zur Gewährung der Verwaltung der Besatzungszone und zur Kon-
trolle über die Tätigkeit der österreichischen Behörden“ zu. Dieser „Kon-
trollapparat“ umfasste 343 Planstellen (davon 284 Armeeangehörige und 59
Zivilbedienstete) und gliederte sich in 17 Einheiten: das Kommando unter
der Leitung des Militärkommissars, den Stab des Vertreters im Exekutivko-
mitee der Alliierten Kommission, „die bevollmächtigten Vertreter des Mi-
litärkommissars in der sowjetischen Besatzungszone“ sowie die im Ersten
Kontrollabkommen vorgesehenen zwölf Abteilungen für Politik, Militär,
Luftstreitkräfte, Seestreitkräfte, Wirtschaft, Inneres, Finanzwesen, Rechtsfra-
gen, Reparationen und Ablieferungen, Arbeitskräfte, Kriegsgefangene und
Versetzte Personen, Transport, weiters die Tolbuchin vorgeschlagene Nach-
richten- sowie Sanitätsabteilung.319 Dabei war die Struktur der Fachabteilun-
gen durch das Kontrollabkommen vorgegeben: Für praktisch jede Abteilung
315 Die Verordnungen für die Kontrollkommissionen in Ungarn und Rumänien hatten der 3. Euro-
päischen Abteilung laut NKID-Mitarbeitern als Vorlage für die Ausarbeitung der Verordnung für
den Sowjetischen Teil der Alliierten Kommission in Österreich gedient. Vgl. AVP RF, F. 066, op. 25,
p. 119, d. 15, S. 21, Begleitschreiben von Lavrov und Poljakov an Dekanozov zur Übersendung des
Entwurfes der Verordnung des Rates der Volkskommissare über die Bildung der SČSK, 19.5.1945.
316 CAMO, F. 233, op. 2380, d. 44, S. 124–129, Verordnung des Rates der Volkskommissare Nr. 1326-
301ss über die Bildung der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland, 6.6.1945. Abge-
druckt in: Institut Voennoj Istorii, Bitva za Berlin, S. 408–411.
317 Foitzik, Sowjetische Militäradministration in Deutschland, S. 43; Filitov, V kommissijach Narkom-
indela, S. 67f.; Mueller, Die sowjetische Besatzung in Österreich, S. 54.
318 Die sich im Deutschen eingebürgerte Bezeichnung „Element“ geht auf die offizielle englische Be-
zeichnung „Allied Commission for Austria, British Element“ zurück.
319 AVP RF, F. 066, op. 25, p. 119, d. 15, S. 51–55, Beschluss Nr. 1553-355s des Rates der Volkskommis-
sare, Über die Bildung des Sowjetischen Teils der Alliierten Kommission für Österreich, 4.7.1945.
Abgedruckt in: Karner – Stelzl-Marx – Tschubarjan, Die Rote Armee in Österreich, Dok. Nr. 63. Sie-
he dazu auch: AVP RF, F. 066, op. 25, p. 119, d. 15, S. 56f., Aufbau des Personalstandes des Sowjeti-
schen Teils der Alliierten Kommission für Österreich, Beilage Nr. 1 zum Beschluss Nr. 1553-355s des
Rates der Volkskommissare, Über die Bildung des Sowjetischen Teils der Alliierten Kommission für
Österreich, 4.7.1945.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918