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III. Der sowjetische Besatzungsapparat: Struktur und
Funktion238
genüber Österreich verbreiten.342 Die Abteilung setzte für die politische Pro-
paganda unter der österreichischen Bevölkerung vorwiegend folgende Mittel
ein:343
- „Gedruckte Propaganda“ – die Herausgabe der „Österreichischen Zei-
tung“ als „Organ der Roten Armee für die österreichische Bevölkerung“
und von Journalen, weiters die Verbreitung sowjetischer Literatur und In-
formationen;
- „Radiopropaganda“ – die Gestaltung des Radioprogramms „Russische
Stunde“,344 die von der Wiener Radioverkehrs-AG (RAVAG) ausgestrahlt
wurde;345
- „mündliche Propaganda“ – die Organisation von Vorträgen durch öster-
reichische „Demokraten“, wobei dieser Bereich in den sowjetisch besetz-
ten Bundesländern sukzessive der „Gesellschaft zur Pflege der kulturellen
und wirtschaftlichen Beziehungen zur Sowjetunion (Österreichisch-Sowje-
tische Gesellschaft, ÖSG) überantwortet wurde;
- „Anschauungspropaganda“ – die Organisation von Ausstellungen, Ge-
staltung von Fotovitrinen und die Herausgabe von Plakaten sowie des Fo-
tojournals „Die Sowjetunion im Bild“;
- Theater bzw. die Propaganda der sowjetischen Kultur – Unterstützung des
Theaters „Scala“346 in Wien und des Theaters in Urfahr; darüber hinaus die
342 RGASPI, F. 17, op. 132, d. 5, S. 37–53, Plan von Dubrovickij für die Arbeit der Propagandaabteilung
der SČSK im 3. Quartal 1948, 2.7.1948.
343 Zur Differenzierung der einzelnen Propagandabereiche mit der entsprechenden Aufgabenvertei-
lung vgl. ebd.
344 1948 strahlte die „RAVAG“ im Auftrag der sowjetischen Besatzungsmacht das Programm „Russi-
sche Stunde“ und andere Sendungen im Umfang von lediglich zwei bis zweieinhalb Stunden pro
Tag aus. Vgl. RGASPI, F. 17, op. 132, d. 94, S. 42–58, hier: S. 42, Bericht von Dubrovickij und Marek
über die Radiopropaganda in Österreich [August 1948]. Želtov beklagte in diesem Zusammen-
hang, dass die Reichweite des Senders und der Anteil der sowjetischen Programme an der gesam-
ten Sendezeit dieses österreichischen Regierungssenders sehr gering waren. Vgl. RGASPI, F. 17,
op. 132, d. 94, S. 39–41, Schreiben von Želtov an Šepilov über die Radiopropaganda in Österreich,
3.8.1948.
345 Aichinger, Sowjetische Österreichpolitik, S. 261–263; Ernst Glaser, Die „Russische Stunde“ in Radio
Wien 1945–1955, in: Wiener Geschichtsblätter. 46/1991, S. 1–12.
346 Das 1931 in das „Scala“-Kino umfunktionierte Gebäude in der Favoritenstraße 8 im 4. Bezirk wurde
von der sowjetischen Besatzungsmacht als „Deutsches Eigentum“ beschlagnahmt und 1948 den
Sozietären des „Neuen Theaters in der Scala“ übergeben. Am 16. September 1948 erfolgte die Er-
öffnung des Hauses mit Nestroys „Höllenangst“. Nach der letzten Vorstellung am 30. Juni 1956
stand das Gebäude bis 1959 leer und wurde schließlich abgerissen. Vgl. Kurt Palm, „Als Künstler
getarnte Agenten“, in: Die Presse, Spectrum, 24.6.2006, S. 5. Am 17. März 1951 beschloss das Polit-
büro, dieses „einzige progressive Theater in Wien“ mit 1,2 Millionen Schilling zu unterstützen und
dadurch vor der Schließung zu bewahren. Denn es beschäftigte, so das Politbüro, schließlich 80
„progressive“ Schauspieler und Mitarbeiter, vermittelte dem österreichischen Volk die sowjetische
Kultur, hatte rund 8000 „progressive“ Abonnenten und führte vor allem sowjetische Theaterstücke
auf. Vgl. RGASPI, F. 82, op. 2, d. 1120, S. 109–111, Schreiben von Grigor’jan an Stalin bezüglich der
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918