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5. Die Verwaltungsebene: Der Sowjetische Teil der Alliierten Kommission 241
richteten Propaganda […] unbedingt notwendig, entschlossene Maßnahmen
zu einer Verstärkung unserer Propaganda unter der österreichischen Bevöl-
kerung zu ergreifen“. Bereits „zum gegenwärtigen Zeitpunkt“ müsse man,
führte Vyšinskij weiter aus, „neue Formen unserer propagandistischen Tätig-
keit in diesem Land vorbereiten, welche die Durchführung einer effizienten
sowjetischen Propaganda unter der österreichischen Bevölkerung auch nach
dem Abzug unserer Besatzungstruppen aus Österreich gewährleisten könn-
ten“. Konkret bezog sich der stellvertretende Außenminister auf Kurasovs
Vorschläge an Molotov: regelmäßige Abhaltung sowjetischer Ausstellungen,
Anlieferung sowjetischer Literatur, Reisen von Vertretern der sowjetischen
Wissenschaft, Kunst und Literatur nach Österreich, Verstärkung der TASS-
Aktivitäten in Wien und der kulturellen Aktivitäten in den sowjetischen Be-
trieben, Eröffnung eines Hauses der Sowjetischen Kultur in Wien und Ähn-
liches mehr.352
Wenige Monate später353 reiste eine aus hochkarätigen Funktionären des
ZK und der Politverwaltung der Streitkräfte bestehende Delegation nach Ös-
terreich, um die Propagandaabteilung zu überprüfen.354 Neben sämtlichen
Abteilungen und deren Leistungen unterlagen auch die Kader der sowjeti-
schen Propagandaorgane und „der Zustand ihrer parteipolitischen Arbeit“
der Kontrolle.355 Die Ergebnisse waren alles andere als zufriedenstellend.356
Bei den Nachbesprechungen kam die Konkurrenz zwischen dem Politberater
Želtov und der Politabteilung der SČSK unter Dubrovickij einmal mehr zum
Vorschein.357
352 GARF, F. 5283, op. 22, d. 62, S. 59, Entwurf eines Schreibens von Vyšinskij an Ždanov über die
sowjetische Propaganda in Österreich [August 1947]. Abgedruckt in: Karner – Stelzl-Marx – Tschu-
barjan, Die Rote Armee in Österreich, Dok. Nr. 103.
353 Die Überprüfung dauerte vom 2. Februar bis 6. März 1948. Vgl. RGASPI, F. 17, op. 132, d. 5, S.
32–36, hier: S. 32, Schreiben von Želtov an Šepilov über die Arbeit der Propagandaabteilung der
SČSK, 20.7.1948.
354 RGASPI, F. 17, op. 116, d. 337, S. 97–98, Beschluss Nr. 337 (512) des Sekretariates des ZK der VKP(b),
Über die Überprüfung der Propagandaabteilung der SČSK, 23.1.1948.
355 Als Leiter der Kommission fungierte M. A. Charlamov, Abteilungsleiter in der Verwaltung für Pro-
paganda und Agitation des ZK der VKP(b). Vgl. RGASPI, F. 17, op. 125, d. 594, S. 43f., Plan für die
Überprüfung der Propagandaabteilung der SČSK, 25.1.1948.
356 RGASPI, F. 17, op. 132, d. 5, S. 2–9, Bericht von Charlamov u. a. an Suslov über den Zustand der
sowjetischen Propaganda in Österreich [März 1948].
357 Želtov attackierte Dubrovickij offen während einer dreitägigen Sitzung zur Propagandaproblema-
tik in Österreich. Er kritisierte Dubrovickijs Mangel an Kritik und Selbstkritik, seine Fehleinschät-
zungen der Lage und seinen (fehlgeschlagenen) Versuch, den Erfolg der Propagandaabteilung
darzustellen. Vgl. RGASPI, F. 17, op. 132, d. 5, S. 196–210, Rede von Želtov zur sowjetischen Propa-
ganda in Österreich, 27.5.1949.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918