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5. Die Verwaltungsebene: Der Sowjetische Teil der Alliierten Kommission 243
Im Jänner 1946 wurde außerdem auf Anregung Konevs und Želtovs bei
der Wirtschaftsabteilung ein Büro zur „Eruierung und Untersuchung der
Errungenschaften der deutschen Technik“ mit acht Posten eingerichtet. Die
„große Bedeutung der Materialien“, die Želtovs Gruppe „im Bereich der neu-
en deutschen Technik“ ausfindig gemacht hatte, legitimierte diese neuerliche
Erweiterung der SČSK.363
Insgesamt stellte die SČSK eine mehrheitlich militärische Bürokratie dar,
deren Personalstand zunächst relativ stabil blieb. Bei der Gründung im Juli
1945 bestand der Apparat aus 343 Planstellen (davon 284 Armeeangehörige
und 59 Zivilbedienstete),364 im Februar 1952 umfasste er 339 Personen (273 Mi-
litärangehörige und 66 Zivilisten). Das Kommando bestand aus acht, der Stab
aus sechs und der Apparat des Politberaters aus 30 – ausschließlich zivilen
– Posten. Von 28 Organisationseinheiten war die Abteilung für Propaganda
Anfang 1952 bei Weitem die größte: Gemeinsam mit der 34 Posten umfassen-
den Redaktion der „Österreichischen Zeitung“ beschäftigte sie 115 Personen,
davon nur acht zivile. Damit war sie mehr als doppelt so groß wie die nächst-
kleinere Wirtschaftsabteilung mit 40 Mitarbeitern.365 Darüber hinaus zog die
Propagandaabteilung „österreichische Demokraten“ zur Propagandaarbeit
unter der österreichischen Bevölkerung heran: Anfang 1949 waren 4081 öster-
reichische Mitarbeiter im Rahmen der Propagandaabteilung der SČSK tätig,
davon 1521 ständig und 2560 temporär. Die meisten (923 ständige und 2064
temporäre) gehörten zur Abteilung für die Arbeit mit sowjetischen Betrieben,
das sich in die Zentralen Kulturreferate der USIA und SMV untergliederte.366
Erst im Zuge der Reorganisation des Besatzungsapparates Anfang 1952
wurde der Personalstand der SČSK einerseits verkleinert, andererseits stieg
er durch die Unterstellung der Militärkommandanturen auf insgesamt 858
Planstellen an.367 Mit der Ernennung eines zivilen Hochkommissars im
363 GARF, F. 5446, op. 48a, d. 143, S. 1, Carev und Romanov an Malenkov über die Erweiterung der
Wirtschaftsabteilung der SČSK um acht Posten, 14.1.1946. Molotov erteilte seine Zustimmung am
23.1.1946.
364 AVP RF, F. 066, op. 25, p. 119, d. 15, S. 51–55, Beschluss Nr. 1553-355s des Rates der Volkskommis-
sare, Über die Bildung des Sowjetischen Teils der Alliierten Kommission für Österreich, 4.7.1945.
Abgedruckt in: Karner – Stelzl-Marx – Tschubarjan, Die Rote Armee in Österreich, Dok. Nr. 63.
365 Zum Stand 1952 siehe: GARF, F. R-5446, op. 86, d. 708, S. 3f., Vergleichstabelle der bestehenden und
geplanten Stellen der SČSK, Beilage zur Verordnung des Ministerrates der UdSSR „Über die Lage
und die Funktionen des Sowjetischen Teils der Alliierten Kommission in Österreich“ [Entwurf],
[Februar 1952].
366 RGASPI, F. 17, op. 128, d. 507, Schema der Heranziehung „Österreichischer Demokraten“ zur Pro-
pagandaarbeit unter der österreichischen Bevölkerung, 25.2.1949.
367 RGASPI, F. 82, op. 2, d. 1117, S. 66–75, Beschluss Nr. 986-317ss des Ministerrates der UdSSR, Über
die Struktur und die Funktionen des Sowjetischen Teils der Alliierten Kommission in Österreich
und Verordnung über den Sowjetischen Teil der Alliierten Kommission in Österreich (Beilage Nr.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918