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III. Der sowjetische Besatzungsapparat: Struktur und
Funktion244
Frühsommer 1953 wurde die SČSK erneut reorganisiert und in „Apparat des
Hochkommissars der UdSSR in Österreich“ umbenannt.368 Ihren Personal-
stand ließ das ZK nach der Ausgliederung der Militärkommandanturen ab
August 1953 vorwiegend im Bereich der Aufklärungsabteilung vergrößern.369
Für die Entsendung des Personals der SČSK nach Österreich waren die
entsprechenden Volkskommissariate (ab 1946: Ministerien) und Zentralbe-
hörden zuständig. So stellte die Tätigkeit innerhalb dieser vorwiegend mili-
tärischen Struktur für neue Mitarbeiter, die aus dem zivilen Bereich kamen,
mitunter eine gewisse Umstellung dar.370 Schließlich ernannten 1945 das
NKO und das Volkskommissariat für die Seestreitkräfte (NKVMF) lediglich
das Personal für den Stab, die militärische Abteilung (einschließlich jener
für die Luft- und Seestreitkräfte) und den Bevollmächtigten des Vertreters
des Militärkommissars in der sowjetischen Zone. Das NKO war außerdem
gemeinsam mit dem Volkskommissariat für Finanzen (NKF) für die Finanz-
abteilung und gemeinsam mit dem Volkskommissariat für Außenhandel für
die Wirtschaftsabteilung zuständig. Die Ernennung des Personalstandes der
Politischen Abteilung oblag hingegen dem NKID unter Dekanozov und dem
Volkskommissariat für Volksaufklärung (NKP). Dekanozov ernannte au-
ßerdem gemeinsam mit dem Volkskommissariat für Justiz das Personal der
Rechtsabteilung. Das Volkskommissariat für Staatssicherheit unter Merkulov
(NKGB) beschickte die Abteilung für innere Angelegenheiten. Die Komplet-
tierung des Apparates mit Übersetzern lag bei der Politischen Verwaltung
der Roten Armee unter Šikin, der Hauptverwaltung für Spionage GRU unter
Il’ičev und der Verwaltung für Angelegenheiten von Kriegsgefangenen des
NKVD. Der NKVD unter Berija hatte außerdem Innere Truppen zum Schutz
von Objekten, Personal und Aktionen der SČSK abzustellen.371
1) [20.2.1952]. Abgedruckt in: Karner – Stelzl-Marx – Tschubarjan, Die Rote Armee in Österreich,
Dok. Nr. 78; Mueller, Die sowjetische Besatzung in Österreich, S. 59.
368 AP RF, F. 3, op. 64, d. 10, S. 106–113, Beschluss Nr. 1607–634ss des Ministerrates der UdSSR, Über
die Struktur und den Personalstand des Apparates des Hochkommissars der UdSSR in Österreich,
27.6.1953.
369 AP RF, F. 3, op. 64, d. 10, S. 114, Beschluss Nr. 20/66 des Präsidiums des ZK der KPdSU, Über die
Vergrößerung des Personalstandes des Apparates des Hochkommissars, v. a. der Organe der sow-
jetischen Aufklärung, 26.8.1953.
370 Der erste Leiter der Abteilung für Arbeitskräfte der SČSK, A. Pigin, schickte seinem Schreiben an
das ZK der VKP(b) als Erklärung voraus: „Da ich ein Zivilist und noch nicht zur Gänze mit den mi-
litärischen Gepflogenheiten vertraut bin, wende ich mich direkt an Sie mit folgenden Fragen.“ AVP
RF, F. 066, op. 25, p. 119, d. 15, S. 77f., Schreiben von Pigin an Malenkov über den Personalmangel in
der SČSK, 2.10.1945.
371 AVP RF, F. 066, op. 25, p. 119, d. 15, S. 51–55, Beschluss Nr. 1553-355s des Rates der Volkskommis-
sare, Über die Bildung des Sowjetischen Teils der Alliierten Kommission für Österreich, 4.7.1945.
Abgedruckt in: Karner – Stelzl-Marx – Tschubarjan, Die Rote Armee in Österreich, Dok. Nr. 63.
Siehe dazu auch das Kapitel A.III.4.3 „‚Die Säuberung von verbrecherischen Elementen‘: Aufgaben
1945“ in diesem Band.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918