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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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III. Der sowjetische Besatzungsapparat: Struktur und Funktion246 5.4 „Eine Reihe ernsthafter Mängel“: Überprüfung 1951 Im Herbst 1951 begann der Auftakt zu einer grundlegenden Reform der SČSK und des Kommandanturapparates in Österreich.376 Konzepte zur Um- strukturierung der Kommandanturen waren bereits im Frühjahr 1948 aus- gearbeitet, aber nicht verwirklicht worden.377 Nun traten jedoch gravierende Mängel in der Arbeit der sowjetischen Stellen in Österreich, Kompetenzun- klarheiten und Probleme in der Kaderbesetzung so offensichtlich zutage, dass sich das Politbüro zum Eingreifen veranlasst sah.378 Den Stein ins Rollen brachte Vagan G. Grigor’jan, Vorsitzender der Außen- politischen Kommission des ZK der VKP(b). Am 11. August 1951 unterrichtete er den stellvertretenden Ministerratsvorsitzenden Vjačeslav M. Molotov, ihm lägen Informationen über den „nicht zufriedenstellenden Zustand der sowje- tischen Propaganda unter der österreichischen Bevölkerung“ vor. Die Propa- ganda sei zu wenig zielorientiert und operativ und hätte außerdem einen de- fensiven Charakter. Folglich würden die „rechten Sozialisten“ ihren Einfluss in der sowjetischen Zone „und sogar in den USIA-Betrieben“ festigen.379 Im Vorfeld hatten unter anderem der stellvertretende Hochkommissar Cinev und der Politische Berater Koptelov in ihrem Jahresbericht einmal mehr auf die besonders schwierigen politischen Umstände in Österreich 1950 hingewiesen. Als eine ihrer zentralen Aufgaben für die weitere Arbeit hatten sie eine inten- sivere und aktivere Propagierung der „Wahrheit über die Sowjetunion“ ange- kündigt. Damit hatten sie Grigor’jans Aufmerksamkeit geweckt. Als einzigen von insgesamt neun Punkten hatte er diesen doppelt angestrichen.380 Gegenüber Molotov begründete Grigor’jan die ihm bekannten Missstände mit dem eklatanten Personalmangel bei der SČSK und der passiven Arbeits- 376 Vgl. dazu und zum Folgenden Knoll – Stelzl-Marx, Der Sowjetische Teil der Alliierten Kommission, S. 199–207; Mueller, Die sowjetische Besatzung in Österreich, S. 60–62; Ruggenthaler, Warum Öster- reich nicht sowjetisiert wurde, S. 689–698. 377 RGASPI, F. 17, op. 127, d. 1720, S. 82f., Vorschläge zur Reorganisation der Militärkommandanturen in Österreich [5.4.1948]. Abgedruckt in: Karner – Stelzl-Marx – Tschubarjan, Die Rote Armee in Ös- terreich, Dok. Nr. 75. Siehe dazu auch das Kapitel A.III.3.3 „Struktur der Militärkommandanturen“ in diesem Band. 378 Schon sehr früh waren Mängel in der Arbeit der SČSK und der Militärkommandanturen kritisiert worden. Vgl. etwa: AVP RF, F. 66, op. 26, p. 32, d. 29, S. 25–30, Zusammenfassung des Endberichts der SČSK für das Jahr 1947 durch Barulin an Smirnov [April 1948]. Abgedruckt in: Karner – Stelzl- Marx – Tschubarjan, Die Rote Armee in Österreich, Dok. Nr. 73. 379 RGASPI, F. 82, op. 2, d. 1117, S. 29–31, Bericht von Grigor’jan an Molotov über den Zustand der sowjetischen Propaganda in Österreich, 11.8.1951. Vgl. Ruggenthaler, Warum Österreich nicht sow- jetisiert wurde, S. 689f. 380 RGASPI, F. 17, op. 137, d. 351, S. 2–135, hier: S. 2, 135, Bericht von G. Cinev und M. Koptelov über die Arbeit des Sowjetischen Teils der Alliierten Kommission für Österreich 1950, 18.5.1951. Der Be- richt wurde am 21. Mai 1951 an Grigor’jan übermittelt.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
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