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5. Die Verwaltungsebene: Der Sowjetische Teil der Alliierten Kommission 247
weise ihrer Mitarbeiter. Manche würden sich schon mehr als fünf Jahre in Ös-
terreich befinden, hätten sich „an die österreichischen Verhältnisse gewöhnt“
und würden sich „manchmal taktlos in die Arbeit der österreichischen demo-
kratischen [d. h. kommunistischen] Organisationen einmischen“. Die übrigen
SČSK-Abteilungen würden sich ebenso wenig wie die Kommandanturen mit
Propagandafragen auseinandersetzen. Grigor’jan empfahl die Entsendung
einer ZK-Kommission, die Vorschläge zu einer „Stärkung der sowjetischen
Propaganda in Österreich“ ausarbeiten sollte.381
Molotov beauftragte daraufhin Andrej A. Smirnov, zu diesem Zeitpunkt
Stellvertreter der Außenpolitischen Kommission des ZK der VKP(b), Vor-
schläge „zur Stärkung des sowjetischen Einflusses in Österreich“ auszuarbei-
ten. Auch Smirnov wies auf die Missstände im sowjetischen Besatzungsap-
parat in Österreich hin, die er auf qualitative wie quantitative Kadermängel
zurückführte. So fehlten etwa in der Propagandaabteilung mehr als 40 Mitar-
beiter. Generell sei die Qualifikation des Personals zu gering. Besorgniserre-
gend sei auch, so Smirnov, die Situation in den USIA-Betrieben, die in letzter
Zeit weder größere Reparaturen noch Investitionen gemacht hätten. Er unter-
stütze Grigor’jans Vorschlag, eine Untersuchung vor Ort durchzuführen.382
Wenige Tage später, am 12. September 1951, legte Smirnov seinen Bericht
„Über die Lage in der sowjetischen Besatzungszone Österreichs“ vor. Erneut
betonte er darin, dass „feindliche Elemente“ unter der Bevölkerung antisow-
jetische Propaganda betreiben, feindliche Maßnahmen gegen „demokratische
Organisationen“ organisieren, Streiks provozieren und außerdem versuchen
würden, den USIA-Betrieben materiellen Schaden zuzufügen. All diese Miss-
stände führte Smirnov auf die „mangelnde Aufmerksamkeit in der Zone
seitens der sowjetischen Organe und den unzureichenden Einsatz der zur
Verfügung stehenden politischen und wirtschaftlichen Hebel zur Stärkung
unseres [des sowjetischen] Einflusses in Österreich“ zurück. Man müsse sich
vor Ort ein Bild von der Lage machen, konkrete Vorschläge ausarbeiten und
diese anschließend „an die Instanz“ – sprich: an Stalin – senden.383 Grigor’jan
legte dem Politbüro des ZK der VKP(b) einen entsprechenden Beschlussent-
wurf vor.384
381 RGASPI, F. 82, op. 2, d. 1117, S. 29–31, Bericht von Grigor’jan an Molotov über den Zustand der
sowjetischen Propaganda in Österreich, 11.8.1951.
382 RGASPI, F. 82, op. 2, d. 1117, S. 33f., Bericht von A. Smirnov an V. Molotov über die Verstärkung
des sowjetischen Einflusses in Österreich, 7.9.1951. Grigor’jan sandte den Bericht noch am selben
Tag an Molotov. Siehe dazu auch das Kapitel A.III.6.6 „Der Riese wankt“ in diesem Band.
383 RGASPI, F. 82, op. 2, d. 1117, S. 37f., Bericht von A. Smirnov an V. Molotov über die Lage in der
sow
jetischen Besatzungszone Österreichs, 12.9.1951. Grigor’jan sandte den Bericht am 13. Septem-
ber 1951 an Molotov.
384 RGASPI, F. 82, op. 2, d. 1117, S. 40f., V. Grigor’jan an das Politbüro des ZK der VKP(b) über die Lage
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918