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5. Die Verwaltungsebene: Der Sowjetische Teil der Alliierten Kommission 249
Bundesländern […] unnütz oder erfüllt einzelne Aufgaben, die mit irgendei-
nem außergewöhnlichen Ereignis in der Zone zusammenhängen, und erstellt
nutzlose Berichte“.387
Smirnov und Šatilov unterbreiteten im Anschluss an diesen Rundum-
schlag einen 14-teiligen Maßnahmenkatalog „zur Verbesserung der Arbeit
des Sowjetischen Teils der Alliierten Kommission für Österreich und der rich-
tigen Einsetzung der vorhandenen politischen und wirtschaftlichen Hebel
zur Stärkung des sowjetischen Einflusses in Österreich“. Darin schlugen sie
eine seit ihrer Gründung 1945 erstmalige Umstrukturierung der SČSK und
einen Austausch der Führungsspitze vor. Wenig schmeichelhaft für Hoch-
kommissar Sviridov und Politberater Koptelov hieß es: „Für die Stärkung
der Führung des Sowjetischen Teils der Alliierten Kommission für Öster-
reich wäre es zielführend, einen höher qualifizierten Hochkommissar und
Politischen Berater einzusetzen.“ In den Kommandanturen sollten gleichfalls
„besser qualifizierte Kader“ zum Einsatz kommen, während die „Fähigen die
Kontrolle über die Tätigkeit der örtlichen Behörden“ auszuüben hätten. Als
konkrete Hilfsmaßnahme schlugen sie vor, der SČSK-Führung mehrere Au-
tos sowjetischer Bauart zur Verfügung zu stellen.388
Das Politbüro erteilte daraufhin am 20. Oktober 1951 den Auftrag, den
ZK-Bericht innerhalb von fünf Tagen zu analysieren und entsprechende Vor-
schläge zu unterbreiten.389 Am 1. November fasste es den Beschluss „Über
Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeit der Alliierten Kommission für Ös-
terreich“. Diese Anweisungen, die dem ZK-Bericht in allen Punkten beinahe
wörtlich entnommen waren, brachten die seit 1945 weitreichendsten perso-
nellen und strukturellen Änderungen sowjetischer Organe in Österreich mit
sich. Einleitend hieß es: „Die von der Kommission des ZK der VKP(b) vor Ort
durchgeführte Überprüfung der Arbeit des Sowjetischen Teils der Alliierten
Kommission in Österreich brachte eine Reihe ernsthafter Mängel in dieser
Arbeit […] zum Vorschein.“ Dabei kamen auch die übergeordneten Stellen
nicht ungeschoren davon: „Das ZK der VKP(b) meint, dass sich die genann-
ten Mängel in der Arbeit des Sowjetischen Teils der Alliierten Kommission in
Österreich in einem wesentlichen Maße dadurch erklären lassen, dass seitens
387 RGASPI, F. 82, op. 2, d. 1117, S. 44–55, Bericht von A. Smirnov und S. Šatilov an V. Grigor’jan „Über
die Arbeit des Sowjetischen Teils der Alliierten Kommission für Österreich und Maßnahmen zur
Stärkung des sowjetischen Einflusses in Österreich“, 17.10.1951.
388 Ebd. Der Hochkommissar sollte einen „Zis“ erhalten, drei „Zim“ sollten für die Stellvertreter des
Hochkommissars und den Wiener Stadtkommandanten und fünf „Pobeda“ für die Bevollmäch-
tigten des Hochkommissars in den Bundesländern und den zentralen Apparat der Kommission
bereitgestellt werden.
389 RGASPI, F. 17, op. 3, d. 1091, S. 23, Politbürobeschluss des ZK der VKP(b) P 84 (99), Über die Arbeit
der SČSK und Maßnahmen zur Festigung des sowjetischen Einflusses in Österreich, 20.10.1951.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918