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III. Der sowjetische Besatzungsapparat: Struktur und
Funktion254
Hinsichtlich der Arbeit mit den österreichischen Behörden und der Bevölke-
rung unterstanden die Kommandanturen nun operativ der SČSK, während
die militärische und politische Betreuung der Mitarbeiter beim Stab der CGV
verblieben waren. Die zuständige Abteilung des Stabes sei von Baden nach
Wien in das Gebäude der SČSK übersiedelt und dem Assistenten des Hoch-
kommissars für die Zone unterstellt worden, was die Koordination der Tätig-
keiten der SČSK und jene der CGV „bedeutend erleichtern“ würde.407
Als „wichtigste Aufgabe“ der SČSK sahen Sviridov und Kudrjavcev die
Unterstützung – und Kontrolle – der Kommandanturen „bei der Umstruktu-
rierung ihrer Arbeit und der Neuorientierung auf die Arbeit unter der örtli-
chen Bevölkerung“ an. Auf monatlichen Versammlungen würden sowohl die
Kommandanten über ihre Arbeit vor Ort berichten als auch leitende SČSK-
Vertreter über die politische Lage in Österreich, aktuelle Aufgaben der Kom-
mandanten und Arbeitsmethoden referieren. Dies stelle „eine der effektivsten
Formen der Kontrolle über die Arbeit der Kommandanturen“ dar. Zu diesem
Zweck suchten außerdem „qualifizierte Mitarbeiter der SČSK“ systematisch
die einzelnen Kommandanturen und sowjetischen Betriebe auf. Sie halfen
den Kommandanten, „ihre Fehler und Mängel in der Arbeit zu beseitigen“.
Generalmajor Kraskevič veranstaltete in seiner Funktion als stellvertretender
Hochkommissar wöchentliche Besprechungen, an denen die Militärkom-
mandanten, Vertreter der SČSK und Leiter von USIA-Betrieben teilnahmen.
Kontrolle und Erfahrungsaustausch standen auch hierbei im Vordergrund.
Insgesamt zeigten sich die Verfasser mit den Erfolgen dieser „Perestrojka“
zufrieden,408 was allerdings nicht über ein gewisses Maß an Schönfärberei
hinwegtäuschen soll. Abschließend legten Siviridov und Kudjravcev einen
umfangreichen Katalog an Vorschlägen vor, die bis hin zur Schließung „un-
rentabler und einseitig produzierender USIA-Betriebe“ reichten. Gerade die-
se Vorschläge illustrieren anschaulich die zwei Wochen nach Stalins Tod be-
stehenden Probleme des sowjetischen Besatzungsapparates in Österreich.409
407 RGANI, F. 5, op. 28, d. 70, S. 1–56, hier: S. 6–9, Bericht von V. Sviridov und S. Kudrjavcev an A.
Smirnov „Über die Umsetzung des Beschlusses des Ministerrates vom 1. November 1951 über
die Verbesserung der Arbeit des Sowjetischen Teils der Alliierten Kommission in Österreich“,
21.3.1953. Abgedruckt in: Mueller et al., Sowjetische Politik in Österreich, Dok. Nr. 84. Vgl. Knoll
– Stelzl-Marx, Der Sowjetische Teil der Alliierten Kommission, S. 208f.; Ruggenthaler, Warum Ös-
terreich nicht sowjetisiert wurde, S. 696.
408 Ebd.
409 RGANI, F. 5, op. 28, d. 70, S. 1–56, hier: S. 52–56, Bericht von V. Sviridov und S. Kudrjavcev an
A. Smirnov „Über die Umsetzung des Beschlusses des Ministerrates vom 1. November 1951 über
die Verbesserung der Arbeit des Sowjetischen Teils der Alliierten Kommission in Österreich“,
21.3.1953. Dieser Teil des Berichts ist erstmals publiziert in: Karner – Stelzl-Marx – Tschubarjan, Die
Rote Armee in Österreich, Dok. Nr. 80.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918