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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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1. Erziehung, Disziplinierung, Kontrolle 315 1.1.1 Kontakte zu Einheimischen und Westalliierten im Schatten des Kalten Krieges Mindestens ebenso bedrohlich schätzte man jedoch den unmittelbaren Kon- takt zu den Alliierten ein, der sich vor allem durch die gemeinsame Besetzung Wiens ergab. Bald nach Kriegsende fielen Schatten des neuen Konfliktes auch auf die in Österreich stationierten Truppen. Zwar arbeiteten die USA, Groß- britannien, Frankreich und die UdSSR vorerst noch zusammen und halfen ei- nander beim Nachschub oder bei der dringlichen Repatriierung von DPs. Doch unter der Oberfläche kriselte es bereits. Das Verhältnis zwischen den Besat- zungsmächten verschob sich zunehmend von anfänglicher Kooperation – etwa in Fragen der Rückführung ehemaliger Kriegsgefangener – in Richtung Kon- frontation. Denn das direkte Aufeinanderprallen zweier Welten und zweier Systeme bedeutete in den Augen Moskaus in erster Linie eine Herausforderung – sowohl hinsichtlich der ideologischen Überzeugung der einzelnen Sowjetbür- ger als auch bezüglich der Wahrung von Militär- und Staatsgeheimnissen. Bereits Anfang Juni 1945, als die sogenannte „Vienna-Mission“ der drei Westalliierten begann, beobachteten die Sowjets die Militärmissionen arg- wöhnisch: Stadtkommandant Blagodatov richtete NKVD-Generalmajor Pav- lov die persönliche Anordnung Tolbuchins aus, die Delegation dürfe weder Wien verlassen noch irgendwohin fahren, „wo sie nichts verloren hätte“.23 Wenig später hatte sich das Misstrauen noch verstärkt. Über die „Haltung der Alliierten zur Roten Armee“ im August 1945 wusste die Spionageabwehr „Smerš“ etwa zu berichten, dass die Amerikaner Informationen über Ver- haftungen österreichischer Zivilisten durch die Sowjets sammelten. Der Ge- heimbericht unterstellte ihnen, diese Angaben „bei den bevorstehenden Ver- handlungen der Regierungen der Alliierten gegen die Russen verwenden“ zu wollen. Auch die Briten seien an kompromittierenden Auskünften über die Rote Armee – etwa über Vergewaltigungen, Plünderungen und andere Übergriffe – interessiert, gab die „Smerš“ weiter zu Protokoll.24 Umgekehrt zeigte sich die sowjetische Seite über Verfehlungen der West- alliierten geradezu erfreut und verbreitete diese ihrerseits in einschlägigen 23 RGVA, F. 32900, op. 1, d. 212, S. 23, Schreiben des sowjetischen Stadtkommandanten von Wien, Generalleutnant Blagodatov, an den Chef der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der 3. Ukrainischen Front, Generalmajor Pavlov, bezüglich der Bewachung Wiens während des Besuchs der westlichen Delegation, 2.6.1945. Siehe dazu auch das Kapitel A.III.4 „Die Schattenebene: Ge- heimdienst und NKVD-Truppen“ in diesem Band. 24 AVP RF, F. 066, op. 25, p. 118a, d. 5, S. 11–16, Bericht von Generalmajor Rozanov über das Verhalten der Alliierten in Wien, 8.9.1945; AVP RF, F. 066, op. 25, p. 118, d. 5, S. 10, Begleitschreiben von Kop- telov an Smirnov zur Übersendung des Berichts der „Smerš“ über das Verhalten der Alliierten in Wien [nach dem 8.9.1945].
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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