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1. Erziehung, Disziplinierung, Kontrolle 321
sondern der gesamten Bildungsarbeit beitragen, insbesondere der marxis-
tisch-leninistischen Ausbildung“. Sviridov betonte dabei die wichtige Rolle
der Parteiorganisationen, die sich neben der Organisation der einschlägigen
Bildungsarbeit unter dem gesamten Mitarbeiterstab besonders auch für die
Ausbildung der Propagandakader einsetzten.40
1.1.3 Karriereknick Österreich
Die generelle Skepsis gegenüber dem Westen hatte auch direkte Auswirkun-
gen auf die weitere Karriere jener sowjetischen Staatsangehörigen, die dort
gearbeitet und gelebt hatten. Manche Spezialisten, die aufgrund der langen
Dauer ihres Auslandseinsatzes, mangelnder fachlicher Kompetenz oder aus
anderen Gründen in die Sowjetunion zurückkehrten, waren an ihrem frühe-
ren Arbeitsplatz unerwünscht. So beschwerte sich Oberst Merkulov, der Lei-
ter der GUSIMZ, im Juni 1949 direkt bei Stalin, dass die zuständigen Ministe-
rien und Behörden sich weigerten, sowohl neue Spezialisten für die Arbeit im
Ausland bereitzustellen als auch in einigen Fällen jene Mitarbeiter, die einen
Auslandseinsatz bereits hinter sich hatten, wieder zu beschäftigen. Dies, „ob-
wohl sie die notwendigen Qualifikationen und genügend Arbeitserfahrung
aufwiesen“. Daraus ergaben sich einerseits ein Arbeitskräftemangel bei den
diversen Einrichtungen der GUSIMZ und andererseits Schwierigkeiten, eine
Beschäftigung der Spezialisten mit absolviertem Auslandseinsatz zu finden.41
Merkulov legte daraufhin einen Entwurf für einen Ministerratsbeschluss
vor, der die zuständigen Ministerien verpflichten sollte, sowohl die geeigne-
ten Spezialisten der GUSIMZ zur Verfügung zu stellen als auch die heim-
gekehrten Arbeiter in ihren früheren Positionen zu beschäftigen.42 Molotov
nahm sich persönlich dieser delikaten Angelegenheit an.43
Auch die KPdSU war um das Wohl ihrer Mitglieder besorgt, die sich „un-
ter den besonderen Umständen im Ausland“ befanden. Schließlich arbeiteten
allein Anfang 1947 rund 830 sowjetische Spezialisten in Deutschland und 840
in Österreich. Für die Organisation und Durchführung der „parteipolitischen
40 RGASPI, F. 17, op. 137, d. 918, S. 74–201, hier: S. 192f., Bericht von V. Sivridov und S. Kudrjavcev an
A. Smirnov „Über die Arbeit des Sowjetischen Teils der Alliierten Kommission und der politischen
Vertreter der UdSSR in Österreich für 1952“, 28.2.1953.
41 RGASPI, F. 17, op. 2, d. 474, S. 32, Merkulov an Stalin über die Probleme, sowjetische Spezialisten
nach einem Auslandseinsatz an ihrem früheren Arbeitsplatz zu beschäftigen, 11.6.1949.
42 RGASPI, F. 17, op. 2, d. 474, S. 33, Entwurf eines Ministerratsbeschlusses über die Kader im System
der GUSIMZ beim Ministerrat der UdSSR [spätestens am 11.6.1949].
43 Vgl. den Vermerk am Kopf des Dokuments vom 13. Juni 1949 in: RGASPI, F. 17, op. 2, d. 474, S. 32,
Merkulov an Stalin über die Probleme, sowjetische Spezialisten nach einem Auslandseinsatz an
ihrem früheren Arbeitsplatz zu beschäftigen, 11.6.1949.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918