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I. Ideologie, Disziplin,
Strafverfolgung322
Arbeit unter sowjetischen Spezialisten“ in Österreich sah der Abteilungsleiter
der Kaderverwaltung des ZK der VKP(b) etwa vor, Parteikomitees bei der
USIA einzurichten. Üblicherweise würden sich alle Kommunisten, die bei
sowjetischen Betrieben im Ausland arbeiteten, in „konspirativen Grundor-
ganisationen der Partei bei den Botschaften und Missionen der UdSSR“ zu-
sammenschließen. Die Parteibücher und Ausweise der Kandidaten der Par-
tei würden dabei in der Abteilung der Kaderverwaltung des ZK der VKP(b)
liegen. Ein ähnliches Prozedere wurde auch für Österreich vorgeschlagen,
wobei das Parteikomitee bei der USIA direkt der Kaderverwaltung des ZK
unterstellt werden sollte. Auf jeden Fall waren die Mitglieder zu verpflichten,
„strengste Konspiration bei der Arbeit“ walten zu lassen.44
Doch nicht nur die gemeinsame Arbeit in der Alliierten Kommission oder
im sowjetischen Wirtschaftsapparat in Österreich, auch die Stationierung
sow
jetischer Truppen in einem Land, in dem sich Einheiten der westalliierten
Armeen befanden, machte einen forcierten Einsatz seitens des Kommandos,
der Politabteilungen, Parteiorganisationen und des Allunionsverbandes der
Lenin’schen kommunistischen Jugend der Sowjetunion „Komsomol“ („Vse-
sojuznyj Leninskij Kommunističeskij Sojuz Molodeži“, kurz: VLKSM) erfor-
derlich. Diese hätten für „strenge militärische Disziplin und einen hohen poli-
tisch-moralischen Zustand“ der Soldaten ebenso Sorge zu tragen wie für „die
Gewährleistung, dass das in Österreich eingesetzte Personal die Ereignisse
richtig verstünde“. Außerdem waren sie dafür verantwortlich, dass sich kei-
ne „negativen Stimmungen unter einzelnen Militärangehörigen“ ausbreiten
konnten. Unter Letzterem verstanden die Politabteilungen antikommunisti-
sche und prowestliche Tendenzen.45 Der Alltag der Besatzungssoldaten war
somit von Überwachung, Überprüfung und Denunziation geprägt.
1.2 Überwachung, Überprüfung, Denunziation
„Die Ehre und Würde des sowjetischen Kämpfers besteht nicht nur darin,
dass er ein Bürger des weltweit ersten sozialistischen Staates ist, sondern
auch darin, dass er ein Soldat der Sowjetischen Armee, der mächtigsten, kul-
44 RGASPI, F. 17, op. 117, d. 700, S. 111f., Stv. Abteilungsleiter der Kaderverwaltung des ZK VKP(b),
Strunnikov, an den ZK-Sekretär Kuznecov über die Parteiarbeit unter sowjetischen Spezialisten im
Ausland, 24.1.1947.
45 RGVA, F. 32906, op. 1, d. 156, S. 13–28, hier: S. 14, Bericht des Kommandeurs des 37. Grenzregi-
ments, Oberst Jaroslavskij, und des Leiters der Politabteilung, Major Sudakov, an den Leiter der
NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Generalmajor Kuznecov, über den poli-
tisch-moralischen Zustand und die militärische Disziplin im 37. Grenzregiment im 1. Quartal 1946,
31.3.1946.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918