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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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1. Erziehung, Disziplinierung, Kontrolle 323 tiviertesten, edelsten Armee der Welt, der Armee der Befreiung ist. Die Welt kannte noch keine Armee wie unsere Sowjetische Armee.“46 Diesem hohen, in „Za čest’ Rodiny“ propagierten Anspruch wurden jedoch die in Österreich stationierten sowjetischen Besatzungstruppen, an die diese Worte gerichtet waren, häufig nicht gerecht. Nicht nur österreichische, sondern auch sow- jetische zeitgenössische Dokumente sprechen von „zahlreichen Fällen von Undiszipliniertheit und Rechtsübertretungen seitens sowjetischer Solda- ten“, wobei als Grundübel schlechte Kontrolle der Kommandanturen über ihre Mannschaften, Missstände im Mannschaftsstamm der Kommandantu- ren selbst sowie organisatorische Schwächen des militärisch-juridischen und administrativen Apparates galten. Eine wesentliche Rolle spielte dabei „die mangelhaft durchgeführte politisch-erzieherische Arbeit“.47 1.2.1 Die politische Tragweite von Vergehen Allein aus politisch-ideologischer Sicht war Disziplinlosigkeit sowjetischer Armeeangehöriger – besonders im Ausland – schwer tolerierbar: „Wer gegen die militärische Disziplin verstößt, der verübt das schwerste Verbrechen an der Heimat, am Volk“, ermahnte man die Soldaten.48 Der „homo sovieticus“ sollte dem Image der UdSSR im Westen nicht schaden. Diszipliniertheit galt als „sittliche Qualität der sozialistischen Persönlichkeit“, die erst den „ho- hen Grad von Bewusstsein und Organisiertheit“ ermöglichte, „der für den allmählichen Übergang zum Kommunismus notwendig“ war.49 Selten ka- men derartige Überlegungen so explizit zum Ausdruck wie in der folgenden Passage aus der CGV-Zeitung: „Jedes, sogar ein auf den ersten Blick noch so unbedeutendes Vergehen, das ein sowjetischer Militärangehöriger unter den Bedingungen des Einsatzes unserer Truppen im Ausland begeht, erlangt po- litischen Charakter, schadet den Staatsinteressen der Sowjetunion, bringt un- sere Armee, das Land in den Augen der einheimischen Bevölkerung in Miss- kredit und spielt somit dem Feind in die Hände.“50 Die Disziplin hatte sich in allem zu äußern: darin, wie der einzelne Soldat die Befehle seiner Vorgesetz- ten erfüllte, wie er salutierte, wie er gekleidet war und wie er sich verhielt.51 46 Materialy k političeskim zanjatijam, in: Za čest’ Rodiny. 47 RGASPI, F. 17, op. 128, d. 117, S. 199–201, hier: S. 199, Bericht von G. N. Moločkovskij an die Abtei- lung für Propaganda und Agitation des ZK der VKP(b) über die Disziplin der sowjetischen Trup- pen in Österreich [spätestens am 11.12.1946]. Abgedruckt in: Karner – Stelzl-Marx – Tschubarjan, Die Rote Armee in Österreich, Dok. Nr. 127. 48 Materialy k političeskim zanjatijam, in: Za čest’ Rodiny. 49 Böhm et al., Kleines politisches Wörterbuch, S. 184. 50 Materialy k političeskim zanjatijam, in: Za čest‘ Rodiny. 51 Ebd.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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