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I. Ideologie, Disziplin,
Strafverfolgung330
fenen Offiziere tatsächlich durch diese öffentliche Bloßstellung verbesserte,
bleibt offen.
1.3 Politisch-moralische Schulung
Die Rote (bzw. ab 1946: Sowjetische) Armee war eine politische Armee. Von
Anfang an wurde sie als Hauptwaffe im revolutionären Kampf der bolsche-
wistischen Partei eingesetzt. Dabei verlangte die Kommunistische Partei,
dass die Loyalität zu ihr sogar noch vor der Treue zur Heimat kam. Unter-
stützung erfuhr sie durch die politische Verwaltung der Armee, welche die
Militärangehörigen zu überzeugten Kommunisten erziehen sollte. Sie ließ
die im Ausland eingesetzten Sowjetbürger permanent politisch schulen. In
keinem anderen Land der Welt wurde dieser politisch-erzieherischen Arbeit
eine derart große Bedeutung beigemessen wie in der Sowjetunion. Mit ihrer
Hilfe sollten folgende Ziele erreicht werden: Hebung von Moral und Diszi-
plin; Erziehung zur Tapferkeit im Kampf durch die Orientierung an Kriegs-
helden; systematische Erzeugung von Hass gegenüber dem (möglichen)
Feind; Erzeugung von „grenzenloser Liebe und Hingabe zur sozialistischen
Heimat und zur Partei Lenins-Stalins“; Wachsamkeit gegenüber Spionen so-
wie kulturelle und sportliche Betätigung zur Hebung von Moral und Unter-
stützung der Kampfausbildung.75 Noch 1955 verlangte das ZK der KPdSU
von Verteidigungsminister Žukov, dafür zu sorgen, dass die „aufklärerische
politisch-erzieherische Arbeit unter den Angehörigen der sowjetischen Trup-
pen“ forciert werde, um „die sowjetisch-österreichischen Beziehungen zu
verbessern“.76
Ein hoher Stellenwert kam der erzieherischen Arbeit unter den Truppen in
Form von Gesprächen, Meetings, politischen Schulungen, Politinformationen
und Vorträgen zu. Das Mantra der Politabteilungen, dass dadurch „amora-
lische Erscheinungen“ und Straftaten stark abnehmen würden, trug jedoch
Grenzregiments, Oberst Pavlov, und des Leiters der Politabteilung, Major Rožkov, an den Chef der
NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der 3. Ukrainischen Front, Generalmajor Pavlov,
über den Dienst, die parteipolitische Arbeit, den politisch-moralischen Zustand und die Disziplin
im Regiment von April bis Juli 1945, 31.7.1945.
75 J. M. Mackintosh, Die politische Verwaltung, in: B. H. Lidell Hart (Hg.), Die Rote Armee. Gießen o.
J., S. 242–247; Kalnins, Agitprop, S. 61; RGVA, F. 32902, op. 1, d. 28, S. 245–263, hier: S. 249, Bericht
des Kommandeurs des 17. NKVD-Grenzregiments, Oberst Pavlov, und des Leiters der Politabtei-
lung, Major Rožkov, an den Chef der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der 3. Ukra-
inischen Front, Generalmajor Pavlov, über den Dienst, die parteipolitische Arbeit, den politisch-
moralischen Zustand und die Disziplin im Regiment von April bis Juli 1945, 31.7.1945.
76 RGANI, F. 3, op. 8, d. 231, S. 65–67, hier: S. 67, Beschluss Nr. P117/44 des Präsidiums des ZK der
KPdSU über eine Einschränkung der Kontrolle sowjetischer Besatzungsorgane über österreichische
Behörden, 26.4.1955.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918