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I. Ideologie, Disziplin,
Strafverfolgung334
serer Fehler auszunutzen sowie unsere militärische Stärke, unsere Autorität
zu torpedieren. Die Feinde des sowjetischen Volkes schlafen nicht. Soldat!
Sei wachsam, übe deinen Wachdienst vorbildlich und ehrenhaft aus!“82 Den
Wachposten an der Zonengrenze wurde etwa angeordnet, selbstdiszipliniert
und höflich zu sein und sich weder auf Privatgespräche noch auf Streitereien
einzulassen.83
Neben der Steigerung der „politischen Wachsamkeit“ bildeten Schulun-
gen über die „Liquidierung amoralischer Erscheinungen“ – etwa Trunksucht
– einen weiteren Schwerpunkt. Politoffiziere und Offiziere erhielten in die-
sem Zusammenhang Informationen über Maßnahmen zur Bekämpfung die-
ser Vorfälle oder über die Verbesserung der erzieherischen Arbeit. Mit den
Mannschaftssoldaten erörterten sie Themen wie „Lenin und Stalin über die
Bedeutung der sowjetisch-militärischen Disziplin“,84 „Eine starke militärische
Disziplin ist die Gewähr für die militärische Stärke der Einheit“ oder „Was es
heißt, ein disziplinierter Soldat zu sein“.85
Besonders regelungsbedürftig war das Verhältnis der Roten Armee zur
österreichischen Bevölkerung, das eine ständige Gratwanderung darstellte.
Weder sollten die Kontakte zu intim werden, noch durften die sowjetischen
Besatzungssoldaten die einheimische Bevölkerung „beleidigen“. Stalin per-
sönlich erließ die entsprechenden Weisungen, die die Tätigkeit der Politof-
fiziere der CGV regelten. Für die Besatzungssoldaten führte man daraufhin
„Politinformationen“ über Themen wie „Die Beziehungen der Militärange-
hörigen mit der örtlichen Bevölkerung“ durch. Allgemeinere Vorträge der 7.
Abteilung der GlavPU befassten sich mit verschiedenen Aspekten der öster-
reichischen Innenpolitik.86
Der damalige Korrespondent der Militärzeitung „Krasnyj vojn“, Leutnant
Igor’ Reformackij, erinnert sich in diesem Zusammenhang, wie den Armee-
angehörigen permanent der Unterschied zwischen „Österreichern“ und
„Deutschen“ sowie das entsprechende Verhalten vermittelt wurden: „Unse-
82 Bditel’no nesti karaul’nuju službu, in: Za čest’ Rodiny, 25.10.1946, S. 1.
83 RGASPI, F. 17, op. 127, d. 1494, S. 53–56, hier: S. 53, Anordnung des stv. Leiters des Stabes der CGV,
Generalmajor Dubinin, an den Leiter des Kontrollpostens am Zonenübergang [1947].
84 RGVA, F. 32914, op. 1, d. 10, S. 306f., Bericht des Leiters der Politabteilung des 336. NKVD-Regi-
ments, Hauptmann Čurkin, über militärische Verbrechen und amoralische Erscheinungen im Regi-
ment im 1. Quartal 1945 [nach dem 1.4.1945].
85 RGVA, F. 32906, op. 1, d. 152, S. 75–87, hier: S. 80, Bericht des Leiters der Politabteilung des 37.
NKVD-Grenzregiments, Major Smirnov, an den Leiter der Politabteilung der NKVD-Truppen zum
Schutz des Hinterlandes der CGV, Oberst Šukin, über den politisch-moralischen Zustand der Trup-
pen 1945, 25.8.1945.
86 CAMO, F. 275, op. 353763s, d. 1, S. 45–52, Bericht über die Arbeit unter der Bevölkerung Österreichs
im Oktober 1945, 21.9.1945.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918