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I. Ideologie, Disziplin,
Strafverfolgung348
seines Regiments informiert. Man wies sie darauf hin, auf das Komsomol-
buch „wie auf den eigenen Augapfel“ achtzugeben.132 Selbstbewusst, aber si-
cherlich etwas realitätsfern vermerkte man: „Kein einziger Fall von Verstößen
gegen die sowjetische militärische Disziplin seitens Komsomolzen geht ohne
Reaktion der Komsomolorganisationen durch.“133
1.4.2 Tätigkeit der Parteiorganisationen
Eine bzw. die zentrale Aufgabe der Parteiorganisationen bestand in der ge-
betsmühlenartig wiederholten „Stärkung der militärischen Disziplin und des
politisch-moralischen Zustandes“ der Armeeangehörigen. Sie mussten ihren
Mitgliedern vor Augen führen, wie sehr ihnen eine Vorbildwirkung zukam.
In ihrer Rolle als Kommunisten und Komsomolzen hatten sie hinsichtlich des
Militärdienstes, der politischen Ausrichtung und natürlich der Disziplin ein-
wandfrei zu agieren.134
Ähnliche Prämissen galten auch für die Mitarbeiter der SČSK. Gemäß dem
Sekretariat des ZK der VKP(b) galt als „Hauptaufgabe dieser Grundorgani-
sationen der Partei die Durchführung der politisch-erzieherischen Arbeit un-
ter den Mitarbeitern, die Steigerung des marxistisch-leninistischen Niveaus
der Kommunisten und die Unterstützung des Vorsitzenden der SKK [Sow-
jetische Kontrollkommission in Deutschland], des Vorsitzenden des Sowje-
tischen Teils der Alliierten Kommission in Österreich und an des Alliierten
Rats für Japan bei der Einführung der Staats- und Arbeitsdisziplin unter den
Mitarbeitern“.135 Allerdings erachtete man es „unter den besonderen Bedin-
gungen im Ausland“ als nicht „zielführend“, diese Parteiorganisationen mit
der Aufnahme neuer Mitglieder in die Partei zu betrauen. Auch sollten die
Parteibücher und ähnliche Dokumente nicht bei den Mitgliedern selbst auf-
132 RGVA, F. 38756, op. 1, d. 62, S. 195–202, hier: S. 201, Bericht des Kommandeurs des 40. NKVD-
Schützenregiments, Oberstleutnant Choroščev, und des Zampolit, Hauptmann Mironov, an den
Leiter der Politabteilung der 66. NKVD-Schützendivision, Oberst Tamrasov, über den politisch-
moralischen Zustand, die militärische Disziplin und die parteipolitische Arbeit im 2. Quartal 1945,
26.6.1945.
133 RGVA, F. 38756, op. 1, d. 63, S. 113–128, hier: S. 126, Bericht des Kommandeurs des 40. Schützenre-
giments, Oberstleutnant Chorošev, über den politisch-moralischen Zustand, die Disziplin und die
parteipolitische Arbeit im Regiment im 3. Quartal 1945, 23.9.1945.
134 RGVA, F. 32906, op. 1, d. 152, S. 75–87, hier: S. 83, Bericht des Leiters der Politabteilung des 37.
NKVD-Grenzregiments, Major Smirnov, an den Leiter der Politabteilung der NKVD-Truppen zum
Schutz des Hinterlandes der CGV, Oberst Šukin, über den politisch-moralischen Zustand der Trup-
pen 1945, 25.8.1945.
135 RGASPI, F. 17, op. 116, d. 264, S. 93f., Beschluss Nr. 264 (492) des Sekretariates des ZK der VKP(b),
Über die Parteiorganisationen bei den Kontrollkommissionen in Bulgarien, Ungarn, Rumänien,
Finnland, bei der SČSK und beim Alliierten Rat für Japan, 13.6.1946.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918