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I. Ideologie, Disziplin,
Strafverfolgung350
Wachsamkeit“. Auf Versammlungen der Grundorganisationen der Partei
diskutierte man daher Fragen wie „Die Aufgaben der Kommunisten in der
Propaganda und die Erfüllung des Befehls Nr. 20 von Genossen Stalin“, wei-
ters „Die Aufgaben der Parteiorganisationen im Zusammenhang mit der
Rede von Genossen Stalin an das Volk vom 9. Mai 1945“ oder „Die Aufgaben
der Kommunisten im Zusammenhang mit der Dislozierung des Bataillons
in Wien“. Zur Steigerung von Disziplin und Wachsamkeit sollten Gespräche
über Themen wie „Immer und überall wachsam sein“ oder „Disziplin und
Organisiertheit – der Schlüssel zu einer erfolgreichen Erfüllung der dienst-
lich-militärischen Aufgaben“ dienen. Natürlich durften auch Vorträge über
die Vorzüge der Sowjetunion „als mächtiges Bollwerk von Freiheit und Frie-
den der Völker“ nicht fehlen.140
Wenig überraschend klafften auch in diesem Bereich Theorie und Pra-
xis häufig weit auseinander. So erntete der Leiter der Politabteilung des 25.
NKVD
-Grenzregiments Kritik, dass „einzelne Kommunisten und sogar Mit-
arbeiter der Politabteilung des Regiments Stalins Ansprache an das Volk und
seinen Befehl Nr. 369 vom 9. Mai 1945“ unzureichend studiert hätten. Als
Konsequenz hätten die Regimentsmitglieder falsche Vorstellungen über den
„totalen Sieg über Hitler-Deutschland“ entwickelt. Man müsse ihnen klarma-
chen, dass die Sowjetunion nicht nur einen „militärischen, sondern auch ei-
nen moralisch-politischen Sieg“ errungen habe. Einmal mehr stand die Ideo-
logie im Vordergrund.141
1.4.3 Kommunistische Jugenderziehung
Der Komsomol sollte ebenfalls einen wichtigen Beitrag bei der Hebung der
Moral seiner Mitglieder, Kandidaten, aber auch der übrigen Militärange-
hörigen leisten. Als Nachwuchsorganisation der VKP(b) bestand sein gene-
relles Ziel in der Erziehung der sowjetischen Jugend nach den Idealen des
Kommunismus. Er veranstaltete Versammlungen, um die „Wachsamkeit“
im Ausland zu schärfen und das „ideologisch-politische Niveau“ zu heben.
In Gesprächsrunden wurden die Vorzüge der sowjetischen Heimat und das
140 RGVA, F. 32906, op. 1, d. 152, S. 75–87, hier: S. 83f., Bericht des Leiters der Politabteilung des 37.
NKVD-Grenzregiments, Major Smirnov, an den Leiter der Politabteilung der NKVD-Truppen zum
Schutz des Hinterlandes der CGV, Oberst Šukin, über den politisch-moralischen Zustand der Trup-
pen 1945, 25.8.1945.
141 RGVA, F. 32902, op. 1, d. 11, S. 152f., Anordnung des Leiters der Politabteilung der NKVD-Truppen
zum Schutz des Hinterlandes der 3. Ukrainischen Front, Oberst Nanejšvili, an den Leiter der Polit-
abteilung des 25. NKVD-Grenzregiments, Major Mišin, über die politische Schulung im Regiment,
28.6.1945.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918