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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung354 für Staatssicherheit (MGB) überging, trug sie die Bezeichnung UKR MGB CGV bzw. „Truppenteil 32750“. Im Jahr 1946 umfasste die Verwaltung für Spionageabwehr in Österreich folgende vier Abteilungen mit jeweils unter- schiedlichen Funktionen: - die 1. Abteilung UKR MGB CGV (operative Tätigkeit für Stab und Verwal- tungen der CGV); - die 2. Abteilung UKR MGB CGV (Spionageabwehrtätigkeit beim Gegner zur Aufdeckung von Infiltrationskanälen und dessen Agenten in Einhei- ten und Einrichtungen der Roten Armee, Fahndung nach Agenten auslän- discher Spionagedienste, Arbeit unter Kriegsgefangenen von operativem Interesse, Überprüfung von Militärangehörigen der Roten Armee, die in Gefangenschaft waren); - die 3. Abteilung UKR MGB CGV (Führung der unterstellten Organe der Spionageabwehr, Kampf gegen Spionage-, Diversions- und Terroraktivitä- ten ausländischer Spionagedienste, gegen antisowjetische Elemente, Ver- rat, Vaterlandsverrat, Desertionen und Selbstschädigung) und - die 4. Abteilung UKR MGB CGV (Untersuchungsabteilung).151 Die Verwaltung für Spionageabwehr der CGV nahm in der sowjetischen Be- satzungszone Verhaftungen vor, führte die Voruntersuchungen bis zur Er- stellung der Anklageschrift durch und übergab dann die abgeschlossenen Verfahren dem Militärtribunal der CGV in Baden. Dieses lief intern unter den Bezeichnung „Militärtribunal des Truppenteils 28990“ oder „voennyj tribunal voennoj časti 28990“ (VT v./č. 28990).152 Während der oft monatelangen Verfahren befanden sich die Angeklagten im Inneren Gefängnis der Verwaltung für Spionageabwehr MGB CGV im so- genannten „Nicoladoni-Haus“, Schimmergasse 17, nahe der Straßenbahnlinie Baden – Bad Vöslau. Der gesamte Häuserblock war mit einer Planke umgeben und wurde von einem Wachturm aus bewacht. Auch die Hauskeller der um- liegenden Villen dienten gelegentlich als Gefängnis. Österreichische Zeitzeugen erinnern sich, dass die blut- und uringetränkten Böden nach dem Abzug der Truppen ab Oktober 1955 völlig zu erneuern waren. „Von Baden führt kein Weg ins Freie“, lautete die inoffizielle Devise. Doch auch in jeder Kommandantur gab es Arrestzellen, die oft zur ersten Etappe jahrelanger Haft werden sollten.153 151 Nikita Petrov, Die militärische Spionageabwehr in Österreich und die Todesstrafe. Struktur, Funk- tionen, Praxis, in: Stefan Karner – Barbara Stelzl-Marx (Hg.), Stalins letzte Opfer. Verschleppte und erschossene Österreicher in Moskau 1950–1953. Unter Mitarbeit von Daniela Almer, Dieter Bacher und Harald Knoll. Wien – München 2009, S. 79–97, hier: S. 93f. 152 Zum genauen Prozedere vgl. Stelzl-Marx, Verschleppt und erschossen, S. 52–55. 153 Stelzl-Marx, Verschleppt und erschossen, S. 39; Maurer, Befreit? – Befreit!, S. 81f.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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