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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung364 Besonders spektakulär war der Fall von Leonard Nikolaevič Volkov. „Dreifa- cher Mord eines russischen Offiziers: Ein Deserteur erschießt zwei russische Soldaten und einen österreichischen Offizier“, lautete der Titel eines Artikels in der „Arbeiter-Zeitung“.184 Was die Redaktion zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Volkov hatte nicht nur drei, sondern bereits vier Menschen getötet.185 Zum Tathergang: Volkov, 1923 in der Nähe von Kiew geboren, entwendete am 13. August 1950 eine Pistole aus dem Quartier eines Oberleutnants und fuhr gemeinsam mit zwei weiteren sowjetischen Militärangehörigen in eine ungarische Schenke, „wo sie tranken“, so die lapidare Feststellung des Obers- ten Gerichts der UdSSR. Infolge eines Streites erschoss der junge Offizier einen ungarischen Staatsbürger.186 Er habe seinem Kameraden helfen wollen, beton- te Volkov in seinem Gnadengesuch. „Ich kam ihm [meinem Kameraden] bald zu Hilfe, holte den Ungarn, der unseren sowjetischen Offizier verprügelt hat- te, ein, nahm ihm den Besen weg, beendete die Rauferei und schlug Letzterem vor, mir zur Polizei zu folgen. Am Beginn widersetzte sich der Ungar nicht, aber dann begann er, sich zu wehren. Dann zog ich die Beutepistole ‚Walther‘, die ich besaß, und stieß ihn mit dem Lauf der Pistole an. In Anbetracht dessen, dass ich in Aufregung und in nicht völlig nüchternem Zustand war, ballte ich meine Hand stark um den Griff der Pistole und drückte unwillkürlich den Abzug.“187 Der angeblich unabsichtlich gelöste Schuss verletzte den Ungarn tödlich. Nach dem Verbrechen beging er, so sein Plädoyer im Gnadengesuch, „zum ersten Mal im Leben einen Fehltritt“ und „machte eine Dummheit“: Volkov entschloss sich, in Österreich unterzutauchen. Denn bereits 1946 hat- te er „ein österreichisches Mädchen kennengelernt, das mich liebte“.188 Das Oberste Gericht der UdSSR charakterisierte den seit 1945 in Österreich statio- nierten Besatzungssoldaten daraufhin als moralisch instabil: Er würde „syste- matisch in Kontakt mit ausländischen Frauen stehen und trinken“.189 Volkov ergriff am folgenden Tag die Flucht, wurde jedoch im Zuge einer Fahndung von zwei sowjetischen Soldaten in Wiener Neustadt verhaftet. 184 Dreifacher Mord eines russischen Offiziers, in: Arbeiter-Zeitung, 17.8.1950, S. 3. 185 GARF, F. 7523, op. 66, d. 121, S. 101–103, Stellungnahme des Obersten Gerichts zum Gnadengesuch von Leonard Volkov, 6.12.1950. Vgl. dazu und zum Folgenden: Petschnigg, Stimmen aus der Todes- zelle, S. 569–573; Stelzl-Marx, Verschleppt und erschossen, S. 49; Lavinskaja, Das Militärtribunal der Zentralen Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte, S. 211. 186 GARF, F. 7523, op. 66, d. 121, S. 101–103, hier: S. 102, Stellungnahme des Obersten Gerichts zum Gnadengesuch von Leonard Volkov, 6.12.1950. 187 GARF, F. 7523, op. 66, d. 121, S. 104–107, hier: S. 104, Gnadengesuch von Leonard Volkov an das Präsidium des Obersten Sowjets, 30.10.1950. 188 Ebd. 189 GARF, F. 7523, op. 66, d. 121, S. 101–103, hier: S. 103, Stellungnahme des Obersten Gerichts zum Gnadengesuch von Leonard Volkov, 6.12.1950.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
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