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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung370 Preisgabe geheimer Informationen Bei Dmitrij F. Durnov dürfte der Passus über die „Preisgabe einer geheimen militärischen oder staatlichen Information“ letztendlich den Ausschlag für sein Todesurteil gegeben haben. Der 1920 im Gebiet Kirovograd geborene Oberleutnant des technischen Dienstes diente bis zu seiner Demobilisierung im März 1947 als Logistikingenieur bei den sowjetischen Besatzungstruppen in Österreich. Doch er entschloss sich, illegal in Ungarn zu bleiben und nicht in die Heimat zurückzukehren: „Der Grund für dieses von mir begangene schwere Verbrechen war die Erkrankung an der Geschlechtskrankheit Sy- philis. [...] Obwohl ich zu Hause Arbeit und Eltern hatte, beschloss ich, nicht nach Hause zu fahren, und blieb, um mich endgültig von der Krankheit zu kurieren“, legte Durnov in seinem Gnadengesuch an das Präsidium des Obersten Sowjets die Hintergründe seiner Desertion dar.215 Es sei dahinge- stellt, ob die Syphiliserkrankung tatsächlich den Ausschlag gegeben oder ob sich Durnov an das verhältnismäßig sorgenfreie Leben außerhalb der har- ten sowjetischen Realität gewöhnt hatte – Tatsache ist, dass er in Ungarn aus einem Konvoi demobilisierter sowjetischer Armeeangehöriger die Flucht er- griff. Drei Monate später wurde Durnov festgenommen, konnte sich jedoch er- neut den sowjetischen Organen entziehen. Er hielt sich in Österreich, Ungarn und der Tschechoslowakei versteckt, wo er im Jänner 1948 verhaftet wurde. Das Militärtribunal der Zentralen Gruppe der Streitkräfte verurteilte den Uk- rainer nach Artikel 58-1 wegen Vaterlandsverrats zu 25 Jahren Freiheitsent- zug unter Aberkennung der Bürgerrechte auf fünf Jahre und zur Konfiszie- rung des gesamten Eigentums. Durnov hatte also zunächst das „Glück“, in jener Zeit verurteilt worden zu sein, als die Todesstrafe keine Anwendung fand. Bereits am 11. September 1948 gelang es ihm, zum dritten Mal aus dem Gewahrsam sowjetischer Organe zu entkommen. Durnov überlistete das Wachpersonal, floh aus dem ITL Alčedat im Gebiet Kemerovo und traf „dank eines glücklichen Zufalls“ nach nur vier Monaten in Wien ein. Zur Legali- sierung seines Aufenthaltes wandte er sich zunächst an die österreichische Polizei und geriet dann in Kontakt mit dem amerikanischen Nachrichten- dienst CIC.216 Durnov stellte Kontakt mit einem seiner ehemaligen Einheits- 215 GARF, F. 7523, op. 66, d. 102, S. 31–36, hier: S. 31, Gnadengesuch von Dmitrij Durnov an das Präsi- dium des Obersten Sowjets der UdSSR, 18.2.1950. Vgl. dazu und zum Folgenden: Lavinskaja, Das Militärtribunal der Zentralen Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte, S. 209f.; Petschnigg, Stimmen aus der Todeszelle, S. 353–356. 216 GARF, F. 7523, op. 66, d. 102, S. 27–30, Stellungnahme des Obersten Gerichts zum Gnadengesuch
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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