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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung372 wurde Besatzungssoldaten antisowjetische Spionage – meist in Kombination mit Desertion – zum Verhängnis. 2.2.5 Antisowjetische Spionage Während sowjetische Tribunale der überwiegenden Mehrheit der 1950–1953 zum Tod verurteilten Österreicherinnen und Österreicher „antisowjetische Spionage“ nach Artikel 58-1 des Strafgesetzbuches der RSFSR vorwarfen, ist bisher lediglich ein analoger Fall eines sowjetischen Besatzungssoldaten der Zentralen Gruppe der Streitkräfte bekannt. Hierbei handelt es sich um Nikolaj Roamovič Polonnikov, der sich im Mai 1950 als Filmvorführer der Sowjetischen Armee in Österreich befand. Ab Herbst 1950 betrieb er, so die Schilderung des Obersten Gerichts der UdSSR, „systematische Spekulation“. Demnach tauschte er im Zuge seiner zahlreichen Dienstreisen zwischen Ös- terreich und Ungarn Forint in Schilling, womit er in Wien Uhren, Schokolade, Kakao und andere begehrte Waren erstand und diese in Ungarn zu überhöh- ten Preisen wieder verkaufte. Innerhalb von zwei Jahren soll er allein 50 Uh- ren, 70 Kilogramm Kakao und Schokolade und 6000 Rasierklingen veräußert haben.222 Im Zuge seiner „Spekulationsmachenschaften“ lernte der 1929 im Gebiet Omsk geborene Russe Anfang 1951 einen Residenten des amerikanischen Nachrichtendienstes mit dem Decknamen „Sergej“ kennen, der ihn laut Oberstem Gericht folgendermaßen anwarb: „Zur Anwerbung Polonnikovs lud ihn dieser Spion in Restaurants der ausländischen Zone in Wien, bewir- tete ihn mit Wein, machte ihn mit Prostituierten bekannt und bearbeitete ihn gleichzeitig im antisowjetischen Geist. Danach gab er sich im Frühling 1951 in einer konspirativen Wohnung als Spion zu erkennen und warb Polonnikov als seinen Agenten an.“ Polonnikov lieferte „Sergej“ daraufhin Informationen über die Dislozierung der sowjetischen Truppen in Österreich, die Zahl der Mannschaftssoldaten und Offiziere seiner Einheit sowie über die „moralische Qualität“ einiger der Offiziere. Er eruierte weiters, welche der Militärange- hörigen eventuell zu Spionagezwecken herangezogen werden könnten. Im Mai 1952 soll er gegenüber dem amerikanischen Geheimdienst Angaben über eine in seiner Einheit erfolgte Inspizierung und die dabei überprüften Offizie- re gemacht haben.223 222 GARF, F. 7523, op. 76, d. 162, S. 165–170, Stellungnahme des Obersten Gerichts zum Gnadengesuch von Nikolaj Polonnikov, 22.7.1953. 223 Ebd.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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