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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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2. „Amoralische Erscheinungen“, Straftaten und ihre Verfolgung 373 Vom CIC mit einer Fotoausrüstung aus- gestattet, erhielt er den Auftrag, Militär- objekte seiner Einheit zu fotografieren. Darüber hinaus lieferte er „Sergej“ Exemplare des Presseorgans der Zentra- len Gruppe der Streitkräfte „Za čest’ Ro- diny“ und weiterer Armeezeitungen.224 Als er im September 1952 auf Urlaub in die Sowjetunion fuhr, stattete ihn der amerikanische Geheimdienst angeblich mit 2000 Rubel und 25 Uhren aus, die er in eigens angefertigten Sporthosen mit Taschen über die Grenze schmuggelte. Bei Kiew warb er seinen um neun Jahre älteren Bruder Grigorij Polonnikov als Agenten an, brachte diesem eine Ge- heimschrift bei und übergab ihm, so das Präsidium des Obersten Sowjets, ein Heft mit speziellem Pauspapier sowie In- struktionen über das Sammeln von Spio- nageangaben. Per Post sollte ihm Grigo- rij daraufhin in Geheimschrift Angaben über die Bevölkerung in Kiew oder etwa die Dislozierung sowjetischer Truppen und Militärflughäfen geben. Auch übermittelte er Fahrkarten für Züge und städtische öffentliche Verkehrsmit- tel.225 Mindestens zwei „Spionagebriefe“ dürfte er tatsächlich Nikolaj unter dem Pseudonym „Keľman“ übersandt haben. Als Anreiz dienten dem wegen Alkoholsucht degradierten Grigorij Polonnikov Geld sowie in Aussicht ge- stellte Pakete mit Wertsachen aus dem Westen.226 Auch bei Nikolaj Polonnikov dürfte das scheinbar leicht verdiente Geld eine Rolle gespielt haben. Ab Juni 1952 hatte er ein fixes Einkommen von 4000 Schilling pro Monat. Zuvor hatte er regelmäßige finanzielle Zuwendun- gen und Wertgegenstände erhalten.227 Das Militärtribunal des Truppenteils 28990 verurteilte ihn am 18. Mai 1953 nach Artikel 58-1 und 107 des Strafge- 224 Ebd. 225 Ebd. 226 GARF, F. 7523, op. 76, d. 162, S. 51–55, hier: S. 52, Stellungnahme des Obersten Gerichts zum Gna- dengesuch von Grigorij Polonnikov, 27.3.1953. 227 GARF, F. 7523, op. 76, d. 162, S. 165–170, Stellungnahme des Obersten Gerichts zum Gnadengesuch von Nikolaj Polonnikov, 22.7.1953. Abb. 46: „Wie Du es auch drehst und wendest, das ‚Finish‘ ist klar!“ Nach dem Abzug der Besatzungstruppen fanden Einheimische dieses 1954 von Evgenij Maloletkov gestaltete sowjetische Propa- gandaplakat in einer Kaserne in Wiener Neustadt. (Quelle: AdBIK, Sammlung Thalhammer)
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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