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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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2. „Amoralische Erscheinungen“, Straftaten und ihre Verfolgung 409 macht bzw. des Heeres angeordnet hatten, fixer Bestandteil des Vernich- tungskrieges gewesen zu sein.351 Besonders hoch war jedoch die Zahl von Vergewaltigungen durch Angehörige der Roten Armee. Ein Teil der Frauen überlebte die Tat nicht. Sie wurden getötet, starben an den Folgen von Misshandlung oder Krankheit, begingen Suizid. Viele trugen bleibende gesundheitliche Schäden, etwa durch die Infektion mit einer Ge- schlechtskrankheit, davon. Doch auch die seelischen, psychologischen Folgen konnten verheerend sein. Für einige war danach ihr Verhältnis zu Männern gestört, manchmal ihr ganzes Leben lang. Manche erfuhren von der eigenen Familie und der Nachbarschaft soziale Ächtung. Aus Angst vor Diskriminie- rung versuchten viele, das Thema „totzuschweigen“ und erlitten dadurch noch eine zweite Traumatisierung. Die Zahl der Abtreibungen oder der Kin- der, die nach einer Vergewaltigung auf die Welt kamen, wird immer im Dun- keln bleiben.352 2.5.1 Dimension des Schreckens Die Zeugnisse über die Vergewaltigungen füllen ganze Aktenschränke. Sie be- stätigten das von Vorurteilen und NS-Propaganda geprägte Bild der „Russen“ und verankerten es tief im kollektiven Gedächtnis der österreichischen Bevöl- kerung: die Sowjetunion als „Hort des Bösen“, „behaust“ vom „slawischen Untermenschen“ und infiziert vom „jüdischen Bolschewismus“.353 Gerüchte und Warnungen der an der Ostfront eingerückten Wehrmachtssoldaten, die Übergriffe auf die Zivilbevölkerung selbst verübt oder beobachtet hatten, ver- stärkten diese Stereotypen noch. Bereits vor dem Eintreffen der ersten Rot- armisten herrschte daher panische Angst vor den „wilden Horden aus dem Osten“. Dabei verbanden sich zudem antislawische Reflexe aus der Monar- chie mit aktuellen antikommunistischen Tendenzen. Die Devise „Kraft durch Furcht“ sollte dazu beitragen, den deutschen Widerstandswillen zu stärken.354 351 Regina Mühlhäuser, Handlungsräume. Sexuelle Gewalt durch Wehrmacht und SS in den besetzten Gebieten der Sowjetunion 1941–1945, in: Insa Eschebach – Regina Mühlhäuser (Hg.), Krieg und Geschlecht. Sexuelle Gewalt im Krieg und Sex-Zwangsarbeit in NS-Konzentrationslagern. Berlin 2008, S. 167–186. 352 Antony Beevor, Berlin 1945. Das Ende. Aus dem Englischen übertragen von Frank Wolf. München 2002, S. 445; Andrea Pető, Stimmen des Schweigens. Erinnerungen an Vergewaltigungen in den Hauptstädten des „ersten Opfers“ (Wien) und des „letzten Verbündeten“ Hitlers (Budapest) 1945, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. 1999/47, S. 892–913. 353 Siehe dazu die entsprechenden Beiträge in: Hans-Erich Volkmann (Hg.), Das Rußlandbild im Drit- ten Reich. Köln – Weimar – Wien 1994. 354 Wolfram Wette, Das Rußlandbild in der NS-Propaganda. Ein Problemaufriß, in: Hans-Erich Volk- mann (Hg.), Das Rußlandbild im Dritten Reich. Köln – Weimar – Wien 1994, S. 55–78, hier: S. 70.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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