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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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2. „Amoralische Erscheinungen“, Straftaten und ihre Verfolgung 443 und des Wartens auf den Tod. Doch rund zwei Wochen später teilte man Eliza- rov plötzlich mit, dass wegen des 25-jährigen Jubiläums der Sowjetischen Mili- tärstaatsanwaltschaft die Todesstrafe in eine 25-jährige Lagerhaft umgewandelt worden sei.465 Der Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 26. Mai 1947 über die Abschaffung der Todesstrafe rettete ihm sein Leben.466 Im April 1956 wurde Elizarov im Zuge der durch den XX. Parteitag der KPdSU ein- geleiteten „Tauwetterperiode“ aus dem ITL befreit und durfte Anfang Mai nach Moskau zurückkehren. Mit seiner ehemaligen österreichischen Freundin jedoch konnte er zeit seines Lebens keinen Kontakt mehr herstellen.467 Die Beziehung zu Frauen war auch – zumindest indirekt – bei dem er- wähnten Besatzungssoldaten Dmitrij F. Durnov der Auslöser zur Deserti- on. Er litt an Syphilis und wollte sich in Ungarn von der Krankheit kurieren lassen. Nach seiner im März 1947 erfolgten Demobilisierung aus den Besat- zungstruppen in Österreich blieb er illegal in Ungarn. 1950 verurteilte ihn das Militärtribunal der CGV in Baden zum Tod durch Erschießen.468 Durnov stellte keinen Einzelfall dar. „In der Mehrheit der Fälle bildet die Erkrankung an einer Geschlechtskrankheit den Grund für eine Desertion“, vermerkte der NKVD in diesem Zusammenhang. Statt sich zur Behandlung in die Militärklinik zu begeben, desertierten die Betroffenen und „lebten in Saus und Braus: Trinkgelage, Beziehungen zur örtlichen Bevölkerung, Le- bensgemeinschaften mit österreichischen Frauen“. Für ihren Lebensunterhalt plünderten die Deserteure, verübten Gewalttaten und ermordeten bei Wider- stand Einheimische und Angehörige der Roten Armee, schlussfolgerte der NKVD.469 So wurde etwa im Juni 1945 bei einer Zugkontrolle ein Rotarmist festgenommen, dessen Benehmen „verdächtig“ erschienen war. Er wies ein Krankenattest und sein Soldbuch mit „fiktiven Stempeln“ vor. Außerdem gab er an, an Syphilis im fortgeschrittenen Stadium zu leiden und sich gerade auf dem Weg in die Klinik für Geschlechtskrankheiten Nr. 3355 zu befinden. Weitere Untersuchungen ergaben, dass es sich um einen Deserteur aus der 227. Schützendivision der 53. Armee handelte.470 465 Voroncov, Reka vody žizny, S. 144. 466 Roginskij, „Um unverzügliche Vollstreckung des Urteils wird ersucht“, S. 42; Andreas Hilger, Ein- leitung: Smert’ Špionam!, S. 30f.; Stelzl-Marx, Verschleppt und erschossen, S. 23. 467 Voroncov, Reka vody žizny, S. 174. 468 GARF, F. 7523, op. 66, d. 102, S. 31–36, hier: S. 31, Gnadengesuch von Dmitrij Durnov an das Präsi- dium des Obersten Sowjets der UdSSR, 18.2.1950. 469 RGVA, F. 32916, op. 1, d. 11, S. 41–45, Operative Tagesmeldung Nr. 0011 des Kommandeurs des 24. NKVD-Grenzregiments, Oberst Kapustin, und des Stabschefs, Major Galeev, an den Leiter der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Generalmajor Kuznecov, 31.1.1946. 470 RGVA, F. 32914, op. 1, d. 13, S. 175–177, hier: S. 176f., Operative Tagesmeldung Nr. 00263 des Kom- mandeurs des 336. NKVD-Grenzregiments, Oberstleutnant Martynov, und des Bevollmächtigten
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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