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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung452 er wusste, dass ich kein schlechter Mensch bin und dass ich alles aus Liebe mache. Am nächsten Tag kam Karl […], zusammen mit Kolesnikov setzten sie sich in einen Lastwa- gen, wo schon viele Passagiere saßen. An der Grenze kroch Kolesnikov hinter einen Kanister, so sagte es mir Karl, und es war nur die Spitze eines Stiefels zu sehen. Eine vollkommen unbekannte Frau saß davor, um ihn zu verstecken, niemand frag- te sie danach. Die Passagiere und A. kamen herunter zur Kontrolle. Passen- derweise regnete es, und die überprüfenden Kontrolleure sahen sich das Auto nicht an und gaben sich damit zufrieden, dass die Frau die Dokumente aus der Weite zeigte. A. ließ Kolesnikov allein und kam in derselben Nacht noch zu mir zurück. Eine schwere Last fiel von meinen Schultern.“500 Louzek, die von Kolesnikov ein Kind erwartete, folgte ihm bald in die US- Zone und wurde hier angeblich vom CIC als Agentin zur „Spionage gegen die sowjetischen Besatzungstruppen in Österreich“ angeworben.501 Im Auf- trag des US-Nachrichtendienstes reiste Louzek, so das Resümee des Obers- ten Gerichts der UdSSR, nach Wien, warb Edeltraude Kolacek-Greskova und eine weitere Österreicherin für den CIC an und brachte beide nach Wels. Die Frauen hätten in der Folge Deserteuren der Sowjetischen Armee zur Flucht in die US-amerikanische Besatzungszone verholfen.502 Kolacek-Greskova verur- teilte das Militärtribunal in Baden im März 1950 wegen „Spionage“ zum Tod. In der Ablehnung ihres Gnadengesuches durch das Oberste Gericht hieß es jedoch, dass sie bereits im März 1947 Kontakt zur französischen Aufklärung hergestellt und im Mai 1948 „den ehemaligen Angehörigen der Sowjetischen Armee und Heimatverräter Kostikov [Kolesnikov] für den US-Geheim- dienst“ angeworben hätte. Von einer Anwerbung ihrerseits durch Louzek 500 GARF, F. 7523, op. 66, d. 121, S. 111–122, hier: S. 113, Gnadengesuch von Ingeborg Louzek an das Präsidium des Obersten Sowjets, 6.12.1950. 501 GARF, F. 7523, op. 66, d. 121, S. 108–110, hier: S. 108f., Stellungnahme des Obersten Gerichts zum Gnadengesuch von Ingeborg Louzek, 6.12.1950. 502 Ebd., S. 109f. Abb. 60: Die 19-jährige Wienerin Ingeborg Louzek ging mit dem sowjetischen Hauptmann Veniamin Kolesnikov eine Liebesbeziehung ein. Nach seiner Demobilisierung verhalf sie ihm 1947 zur Flucht und folgte ihm in die amerikanische Besatzungszone. (Quelle: AdBIK, Sammlung Louzek)
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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