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I. Ideologie, Disziplin,
Strafverfolgung452
er wusste, dass ich kein schlechter Mensch
bin und dass ich alles aus Liebe mache. Am
nächsten Tag kam Karl […], zusammen mit
Kolesnikov setzten sie sich in einen Lastwa-
gen, wo schon viele Passagiere saßen. An
der Grenze kroch Kolesnikov hinter einen
Kanister, so sagte es mir Karl, und es war
nur die Spitze eines Stiefels zu sehen. Eine
vollkommen unbekannte Frau saß davor, um ihn zu verstecken, niemand frag-
te sie danach. Die Passagiere und A. kamen herunter zur Kontrolle. Passen-
derweise regnete es, und die überprüfenden Kontrolleure sahen sich das Auto
nicht an und gaben sich damit zufrieden, dass die Frau die Dokumente aus der
Weite zeigte. A. ließ Kolesnikov allein und kam in derselben Nacht noch zu mir
zurück. Eine schwere Last fiel von meinen Schultern.“500
Louzek, die von Kolesnikov ein Kind erwartete, folgte ihm bald in die US-
Zone und wurde hier angeblich vom CIC als Agentin zur „Spionage gegen
die sowjetischen Besatzungstruppen in Österreich“ angeworben.501 Im Auf-
trag des US-Nachrichtendienstes reiste Louzek, so das Resümee des Obers-
ten Gerichts der UdSSR, nach Wien, warb Edeltraude Kolacek-Greskova und
eine weitere Österreicherin für den CIC an und brachte beide nach Wels. Die
Frauen hätten in der Folge Deserteuren der Sowjetischen Armee zur Flucht in
die US-amerikanische Besatzungszone verholfen.502 Kolacek-Greskova verur-
teilte das Militärtribunal in Baden im März 1950 wegen „Spionage“ zum Tod.
In der Ablehnung ihres Gnadengesuches durch das Oberste Gericht hieß es
jedoch, dass sie bereits im März 1947 Kontakt zur französischen Aufklärung
hergestellt und im Mai 1948 „den ehemaligen Angehörigen der Sowjetischen
Armee und Heimatverräter Kostikov [Kolesnikov] für den US-Geheim-
dienst“ angeworben hätte. Von einer Anwerbung ihrerseits durch Louzek
500 GARF, F. 7523, op. 66, d. 121, S. 111–122, hier: S. 113, Gnadengesuch von Ingeborg Louzek an das
Präsidium des Obersten Sowjets, 6.12.1950.
501 GARF, F. 7523, op. 66, d. 121, S. 108–110, hier: S. 108f., Stellungnahme des Obersten Gerichts zum
Gnadengesuch von Ingeborg Louzek, 6.12.1950.
502 Ebd., S. 109f. Abb. 60: Die 19-jährige Wienerin Ingeborg Louzek
ging mit dem sowjetischen Hauptmann Veniamin
Kolesnikov eine Liebesbeziehung ein. Nach seiner
Demobilisierung verhalf sie ihm 1947 zur Flucht
und folgte ihm in die amerikanische Besatzungszone.
(Quelle: AdBIK, Sammlung Louzek)
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918