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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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2. „Amoralische Erscheinungen“, Straftaten und ihre Verfolgung 453 war hier nicht die Rede. Im Gegenteil: In ihrem Gnadengesuch betonte Ko- lacek-Greskova ihre eigenen Kontakte zu französischen und amerikanischen Geheimdiensten: „Und abermals lernte ich durch einen unglücklichen Zufall den Deserteur Kostikov [Kolesnikov] kennen, der sich, wie er mir erzählte, bereits ein Jahr versteckte und fliehen wollte, weil eine Österreicherin von ihm ein Kind habe und er sie heiraten wollte. Ich brachte ihn zu den Franzo- sen und bekam dafür Geld.“503 Die junge Frau wurde schließlich am 12. August 1950 verhaftet. Das Mili- tärtribunal des Truppenteils 28990 verurteilte sie nach Artikel 17-58-1a („Bei- hilfe zum Vaterlandsverrat“) und nach Artikel 58-6 („Spionage“) zum Tod durch Erschießen. Die Wienerin wurde am 9. Jänner 1951 in Moskau hinge- richtet. Kolesnikov war bereits am 22. April 1950 vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR „wegen der Weitergabe geheimer Informatio- nen über sowjetische Truppenteile in Österreich an den amerikanischen Ge- heimdienst“ zum Tod verurteilt und noch am selben Tag erschossen worden. Stalin persönlich hatte die Genehmigung dazu unterzeichnet. Kolesnikovs Aussagen hatten – wie jene Kolacek-Greskovas und eines weiteren Ange- klagten – Louzek „in der gegen sie vorliegenden Beschuldigung“ angeblich „überführt“. Ihr gemeinsamer zweieinhalbjähriger Sohn wurde durch die Hinrichtung beider Elternteile zur Vollwaise. Zum Zeitpunkt des Urteils be- fand er sich in einem Kinderheim in der amerikanischen Besatzungszone.504 Danach wuchs er in einem SOS-Kinderdorf auf.505 503 GARF, F. 7532, op. 66, d. 102, S. 54f., Gnadengesuch von Edeltraude Kolacek-Greskova an das Prä- sidium des Obersten Sowjets, 16.3.1950. 504 GARF, F. 7523, op. 66, d. 121, S. 108–110, hier: S. 108, 110, Stellungnahme des Obersten Gerichts zum Gnadengesuch von Ingeborg Louzek, 6.12.1950; Memorial, Stalinskie rasstrel’nye spiski. CD-Disk. Moskau 2002. Herrn Dr. Nikita Petrov, Moskau, danke ich herzlich für diesen Hinweis. 505 Hans Peter Louzek, Freundliche Auskunft an Barbara Stelzl-Marx. Graz 4.5.2009. Abb. 61: Ingeborg Louzek wurde im August 1950 verhaftet und wenig später vom Militärtribunal des Truppenteils 28990 wegen „Beihilfe zum Vaterlandsverrat“ und „Spionage“ zum Tod durch Erschießen verurteilt. Das Urteil wurde am 9. Jänner 1951 in Moskau vollstreckt. (Quelle: CA FSB, Straf- prozessakt Louzek)
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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