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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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Page - 478 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

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II. Vergewaltigungen, Beziehungen, Kinder 478 das war ein ganz ein normaler praktischer Arzt. Aber in der Zeit war ja nichts normal. […] Ja, das war verboten.“38 1.3 Geschlechtskrankheiten und Prostitution In der Roten Armee stellten – wie in jeder Armee – Geschlechtskrankheiten ein zentrales Problem dar, schwächten sie doch die Moral und Kampfkraft der Truppen. Bereits während des Krieges nahm die Zahl an Syphiliserkran- kungen sprunghaft zu, nachdem schon zuvor die Wehrmacht in den besetz- ten Gebieten zur Ausbreitung von Infektionen beigetragen hatte. Diese Stei- gerung ging jedoch nur bis zu einem gewissen Grad auf die Invasion und anschließende Wiedereinnahme zurück. Daneben spielte auch die sowje- tische Einstellung zur Sexualität eine Rolle. Denn weder betrieb die Armee Aufklärung, noch stellte sie Präservative zur Verfügung. Venerisch Erkrankte behandelte man wie Verräter, denen als Strafe für ihr „unmoralisches Ver- halten“ teilweise sogar die nötigen Arzneimittel vorenthalten wurden. Die Angst der Männer, nach einer Infektion bestraft zu werden, führte ab 1943 vermehrt zu Suiziden.39 Mit der Besetzung Deutschlands und Österreichs wurden Geschlechts- krankheiten zu einer regelrechten „Volksseuche“. Wie der berühmte britische Spielfilm „Der dritte Mann“ eindrucksvoll zeigt, war das erst gegen Ende des Zweiten Weltkrieges entwickelte Penizillin rar und teuer. Sowjetischen Mili- tärärzten stand dieses erste gegen den bakteriellen Syphiliserreger Trepone- ma pallidum wirksame Mittel bis Anfang 1946 kaum zur Verfügung. Doch auch nachdem die Sowjets selbst mit der Herstellung von Penizillin begon- nen hatten, war es nur für besonders gravierende Fälle erhältlich.40 Anfangs brandmarkten die Sowjets gerade Syphilis als eine „bürgerliche“ Krankheit, bezeichnend für die „moralische Minderwertigkeit“ des Westens. Dahinter stand die Überlegung, Ausländerinnen wären eine „epidemiologi- sche Waffe“ in den Händen des Feindes.41 Eine einzige Frau, warnte man die Soldaten, konnte ohne Weiteres 15 Rotarmisten außer Gefecht setzen.42 Dem Militärrat der 3. Ukrainischen Front spielte der NKVD in diesem Zu- sammenhang die Information zu, dass zahlreiche sowjetische Zwangsarbei- terinnen in Deutschland und Österreich „im Auftrag der Gestapo mit veneri- schen Krankheiten infiziert worden seien, um diese unter Militärangehörigen 38 OHI, Bianca H. 39 Merridale, Iwans Krieg, S. 266f. 40 Naimark, Die Russen in Deutschland, S. 125. 41 Stelzl-Marx, Freier und Befreier, S. 433. 42 Sander – Johr, BeFreier und Befreite, S. 121.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
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