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1. Die Schattenseite 481
may result in blindness, insanity,
paralysis, premature death. If you
have run the risk, get skilled treat-
ment at once. Treatment is free and
confidential.“50
Analog dazu mahnte auch die
US-amerikanische Militärpropa-
ganda ihre Soldaten, vor deutschen
Frauen auf der Hut zu sein: „VD.
Watch your step“, schärfte ein Pla-
kat ein. Darauf formte der Schatten
zwischen einem deutschen „Fräu-
lein“ und einem „GI“51 die bedroh-
lichen Buchstaben „VD“ – „vene-
ral disease“.52 Gerade wegen der
explosionsartigen Zunahme von
Geschlechtskrankheiten unter den
Besatzungsangehörigen in Deutsch-
land sah sich die militärische Füh-
rung gezwungen, sich mit dem
Sexualleben ihrer Truppen ausei-
nanderzusetzen. Zudem verärgerte
die Fraternisierung vielfach die Be-
völkerung in der Heimat.53
In allen vier Zonen starteten sowohl lokale Behörden als auch die Besat-
zungsmächte entsprechende Aufklärungskampagnen und griffen mitunter
50 Vgl. dazu das Faksimile in: Ėntoni Rods, Propaganda. Plakaty. Karikatury. Kinofiľmy Vtoroj miro-
voj vojny 1939–1945. Moskau 2008, S. 129.
51 „GI“ – „government issue“ (von der Regierung oder von einer Behörde gestellt) – bezieht sich von
seinem ursprünglichen Bedeutungszusammenhang her auf die „staatliche“ Uniform der Angehöri-
gen der US-Armee. Die Umgangssprache machte allerdings „GI“ zum Synonym für amerikanische
Soldaten schlechthin. Vgl. Ingrid Bauer, „Besatzungsbräute“. Diskurse und Praxen einer Ausgren-
zung in der österreichischen Nachkriegsgeschichte 1945–1955, in: Irene Bandhauer-Schöffmann
– Claire Duchen (Hg.), Nach dem Krieg. Frauenleben und Geschlechterkonstruktionen in Europa
nach dem Zweiten Weltkrieg. Herbholzheim 2000, S. 261–276, hier: S. 272.
52 Vgl. dazu das Faksimile in: Jacques Poirier, Les maladies vénériennes, in: François Rouquet – Fa-
brice Virgili – Daniéle Voldman (Hg.), Amours, guerres et sexualité 1914–1945. Paris 2007, S. 88–91,
hier: S. 89.
53 Maria Höhn, „You Can’t Pin Sergeant’s Stripes on an Archangel“: Soldiering, Sexuality and U.S.
Army Policies in Germany, in: Maria Höhn – Seungsook Moon (Hg.), Over There. Living with the
U.S. Military Empire from World War Two to the Present. Durham – London 2010, S. 109–148, hier:
S. 118.
Abb. 64: Mit dem Plakat „VD [veneral disease].
Watch your step“ warnte die US-amerikanische
Militärpropaganda ihre Besatzungssoldaten vor
der Ansteckung mit einer Geschlechtskrankheit
durch deutsche Frauen. (Quelle: Rouquet et al.,
Amours, guerres et sexualité, S. 89)
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918