Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Page - 499 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 499 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

Image of the Page - 499 -

Image of the Page - 499 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

Text of the Page - 499 -

2. Liebesbeziehungen und ihre Folgen 499 Durch den beinahe flächendeckenden Einsatz der Besatzungssoldaten in Ostösterreich ergaben sich unzählige Gelegenheiten, einheimische Frauen kennenzulernen: bei Theaterbesuchen, bei Tanzveranstaltungen, am Markt, bei der Arbeit, in Privatquartieren oder etwa im Garten. Naturgemäß ent- standen an den Stationierungsorten der Truppen besonders viele Beziehun- gen. Baden bei Wien, wo sich das Hauptquartier der Zentralen Gruppen der Streitkräfte befand, dürfte in diesem Zusammenhang der absolute „Spitzen- reiter“ gewesen sein. Aber auch in Wien gab es besonders zahlreiche An- knüpfungspunkte. 2.1.1 Sicht der Frauen Die damals 20-jährige Bianca H. erinnert sich, wie sie Georgij Elizarov auf dem Schwarzmarkt im Wiener Resselpark traf. Seine ausgezeichneten Deutschkenntnisse erweckten umgehend ihre Aufmerksamkeit: „Das war eigentlich ganz einfach. Meine Mutter wollte irgendetwas vom schwarzen Markt, und der war im Resselpark im vierten Wiener Gemeindebezirk. Und da bin ich hin – ich kann heute nicht mehr sagen, was sie wollte –, [sie] mein- te, ich sollte das besorgen. Und da war ein russischer Offizier, in einer ganz gewöhnlichen Uniform, man hat nur gesehen, das war eine Felduniform. Und der ist überall stehen geblieben und hat gesagt: ‚Nein, das ist zu teuer! Und Sie sind zu billig!‘ Und man hat gesehen, er spricht perfekt Deutsch. Und da sind wir ins Reden gekommen. So haben wir uns kennengelernt.“121 Diese Schilderung verdeutlicht zwei der wesentlichsten Faktoren, die sow- jetische Besatzungsangehörige in den Augen einiger Österreicherinnen inte- ressant machten: einerseits die häufig als attraktiv empfundenen Uniformen, andererseits die – vielfach nicht erwartete – Kultiviertheit und Bildung sowje- tischer Militärs. Dieses Merkmal sprang umso mehr ins Auge, als es dem von der NS-Propaganda geprägten Feindbild des slawischen „Untermenschen“ diametral entgegenstand. So finden sich in den Berichten einiger Zeitzeugin- nen Hinweise auf ausgezeichnete Deutschkenntnisse, gute Manieren und ein hohes Bildungsniveau. Gerade bei Offizieren lag ihre soziale Herkunft viel- fach über jener ihrer österreichischen Freundinnen. Analog dazu erinnert sich auch die 1923 geborene Romana Steinmetz, die 1946 eine geheime Liaison mit Pavel Denisov, einem sowjetischen Nach- schuboffizier in Baden, einging: „Wie gesagt, er war ganz anders als die an- deren. Was man so gehört hat immer. Ich habe ja nur mit ihm Verbindung gehabt, mit sonst habe ich ja niemand Verbindung gehabt. Ich war ja eigent- 121 OHI, Bianca H.
back to the  book Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955"
Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Stalins Soldaten in Österreich