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2. Liebesbeziehungen und ihre Folgen 503
zungssoldaten, die gerne Konzerte, Theateraufführungen oder Tanzver-
anstaltungen besuchten. So berichtet etwa die Tochter eines sowjetischen
Oberstleutnants über den ersten Kontakt ihrer Eltern: „Sie [die Mutter] und
ihre Freundin hatten meinen Vater und einen anderen Soldaten im Theater in
St. Pölten kennengelernt!“ Beide Frauen gingen wenig später eine Liebesbe-
ziehung mit den Besatzungsangehörigen ein und beide brachten daraufhin je
ein Kind zur Welt.130
Für einige der Frauen bedeuteten ihre transkulturellen Beziehungen nicht
nur die ersten sexuellen Kontakte, sondern auch die große Liebe ihres Le-
bens. Bis heute sind sowjetische Besatzungssoldaten in ihrer Rolle als Freier
und Geliebter teils romantisch verklärt. Vereinfachende Klischees wie jene
des „fräuleinumringten GIs“ oder des „Frauen verfolgenden Rotarmisten“
ignorieren solche Nuancen.131 Wie das folgende Beispiel zeigt, entsprachen
stereotype Vorstellungen der erotischen Anziehung von Besatzungssoldaten
in manchen Fällen der Realität. Die 1931 geborene Wienerin Ingeborg Walla-
Grom beschreibt dies in ihren Erinnerungen: „In dieser Zeit lernte ich Iwan
kennen! Meine erste Liebe! Iwan Papkow aus Sotschi! Er schwärmte mir von
seiner Heimat, der Krim, vor und schickte ein Foto von uns beiden seiner
Mutter, denn er wollte mich heiraten. Sie schrieb zurück, sie hätte nichts
dagegen. Da unsere Staatsoper total zerstört war, ging ich mit Iwan in die
130 Christa W., Elektronische Nachricht an Barbara Stelzl-Marx. 2.8.2007.
131 Bauer, „Besatzungsbräute“, S. 262f. Abb. 68: Die damals 18-jährige Wienerin In-
geborg Walla-Grom mit ihrer „ersten Liebe“.
Ihr Vater zerstörte die Beziehung, indem er
dem Besatzungssoldaten von einer – erlo-
genen – Geschlechtskrankheit seiner Tochter
erzählte. (Quelle: Sammlung Stelzl-Marx,
Bestand Walla-Grom)
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918