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II. Vergewaltigungen, Beziehungen, Kinder
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eingeweiht und ihn gebeten, nach seinem österreichischen Halbbruder zu su-
chen. Dieser hatte daraufhin einen Brief an den damaligen Wohnort der Mut-
ter von Reinhard Heninger geschrieben, der jedoch nie angekommen war.
Der übrigen Familie hatte Nikolaj nichts über die österreichische Verwandt-
schaft gesagt. Reinhard Heninger und seine Töchter werteten es jedoch als
schönes Zeichen, dass die Suche in beide Richtungen erfolgt war.303
3.5 Suche nach den Kindern
Wie das Beispiel von Reinhard Heninger zeigt, ergreifen manchmal auch die
ehemaligen Besatzungssoldaten die Initiative bei der Suche nach ihrer da-
maligen Freundin und dem – bisweilen vermuteten – gemeinsamen Kind. In
diesem Kontext stellt sich generell die Frage, wie die Armeeangehörigen nach
ihrer Rückkehr in die Heimat mit diesem Thema umgingen. Verheimlichten
sie die sexuellen Erfahrungen, die sie während des Einsatzes im Westen ge-
macht hatten? Ließen sie die Kinder, die sie gezeugt hatten, als „Schande“
zurück, die möglichst vergessen werden sollte? Wie lange hielt in der Sowjet-
union die Angst vor möglichen Repressalien oder Benachteiligungen an, die
aus Kontakten mit ausländischen Frauen resultieren konnten? Wie reagieren
sie, wenn sie die Vergangenheit gleichermaßen einholt?
Hier kommt ein Spezifikum der sowjetischen Besatzungssoldaten zum
Tragen: Das politische System hatte eine dauerhafte Beziehung mit einer Ös-
terreicherin praktisch unmöglich gemacht und über Jahrzehnte hinweg jeg-
lichen Kontakt so gut wie unterbunden. Viele glückliche Liebesverhältnisse
waren wegen dieser strengen Reglementierung zerbrochen. Vor dem Hinter-
grund des Kalten Krieges bestand kaum Hoffnung, die zwangsweise beende-
te Liaison wieder aufnehmen zu können. Manche schlossen daher mit dieser
Phase in ihrer Vergangenheit ab und versuchten, sie möglichst zu vergessen.
Andere weihten nur engste Vertraute ein oder lüfteten noch kurz vor ihrem
Tod das Geheimnis. Dank der geänderten politischen Umstände beschlossen
einige daher gerade in den letzten Jahren, mehr oder weniger aktiv nach ihrer
damaligen Freundin und dem „österreichischen“ Kind zu suchen.
Der nach Kriegsende in Baden als Nachschuboffizier stationierte Pavel De-
nisov etwa kontaktierte mithilfe seiner Enkelin im Frühling 2005 die Sendung
„Ždi menja“. Der 81-Jährige wollte seinen 1947 nach seiner Versetzung in die
Sowjetunion geborenen Sohn „Pavel“ bzw. „Paul“ (der in Wirklichkeit „Ger-
hard“ hieß) und die Mutter des gemeinsamen Kindes, Romana Steinmetz,
303 Am Schauplatz: Verbotene Liebe. Eine ORF-Reportage von Doris Plank. 29.6.2007 (3sat, 4.7.2007).
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918