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2. Freizeit, Erholung, Urlaub 603
So gab es ein sogenanntes Kabinett für Selbstbildung, in dem den Offizieren
„systematische Hilfe bei der Steigerung ihrer ideologisch-politischen, militär-
historischen und naturwissenschaftlichen Ausbildung“ angeboten wurde.160
Der Zuschauerraum diente zur Aufführung symphonischer Konzerte
„klassischer russischer Musik (Čajkovskij, Glinka, Musorgskij u. a.) und zeit-
genössischer sowjetischer Komponisten (Šostakovič, Prokov’ev) sowie der
besten westeuropäischen Komponisten durch die Wiener Symphoniker“.
Auch Theateraufführungen standen auf dem Programm, wobei ebenfalls
„die besten Wiener Schauspieler“ herangezogen wurden. Im Kinosaal,161
aber auch im Freien wurden sowjetische Filme aufgeführt, wobei Letzteren
auch die österreichische Bevölkerung beiwohnen konnte.162 Außerdem gab
es eine Bibliothek, einen Turnsaal, Billardtische und ein Jagdzimmer.163 Am
12. Dezember 1953 wurden die Räumlichkeiten in der Hofburg außerdem der
Österreichisch-Sowjetischen Gesellschaft zugänglich gemacht.164
Wie die Vorankündigungen in der Armeezeitung der CGV und Zeitzeu-
generinnerungen belegen, offerierte das „Dom oficerov“ in der Hofburg tat-
sächlich ein reges Kulturprogramm. Opernabende mit Solisten der Wiener
Staatsoper,165 Konzerte des hauseigenen „Estradenkollektivs“ unter Mitwir-
kung des Staatsopernballetts166 oder Operetten von Johann Strauß,167 der sich in
der Sowjetunion besonderer Popularität erfreute, standen ebenso auf dem Pro-
gramm wie Sprachkurse.168 Man lud Offiziere und ihre Familien zu Abenden
mit den „progressiven“ Regisseuren des Theaters „Scala“ oder mit Regisseuren
von „Wien-Film“.169 Neben regelmäßigen Vorführungen sowjetischer Filme
veranstaltete das „Haus der Offiziere“ sogar Eisrevuen. Beispielsweise fand am
6. Jänner 1946 eine derartige Veranstaltung auf dem Wiener Eislaufverein-Platz
in der Lothringerstraße Nr. 20 statt.170 Zur Fortbildung dienten medizinische
Vorträge wie etwa „Vorbeugung und Heilung von Hautkrankheiten“.171
160 Ebd.
161 Ebd.
162 Priznatel’nost sovetskim voinam, in: Za čest’ Rodiny, 3.8.1955, S. 3.
163 Otkrytie Doma oficerov Krasnoj Armii g. Vena, in: Za čest’ Rodiny, 10.11.1945, S. 7.
164 Priznatel’nost sovetskim voinam, in: Za čest’ Rodiny.
165 Segodnja v Dome oficerov, in: Za čest’ Rodiny, 22.12.1945, S. 8.
166 Segodnja v Dome oficerov, in: Za čest’ Rodiny, 14.12.1946, S. 8.
167 Beispielsweise wurde am 27. April 1946 um 20.00 Uhr Ortszeit im Konzertsaal des „Hauses der Of-
fiziere“ die Operette „Wiener Blut“ aufgeführt. Vgl. Segodnja v Dome oficerov, in: Za čest’ Rodiny,
27.4.1946, S. 8.
168 So begannen etwa im Juli 1946 die Sprachkurse jeweils um 18.00 Uhr Ortszeit. Vgl. Segodnja v
Dome oficerov, in: Za čest’ Rodiny, 9.7.1946, S. 8.
169 Vstreča voinov s rukovoditeljami i artistami „Venfil’ma“, in: Za čest’ Rodiny, 7.6.1955, S. 6.
170 Segodnja v Dome oficerov, in: Za čest’ Rodiny, 6.1.1946, S. 8.
171 Segodnja v Dome oficerov, in: Za čest’ Rodiny, 5.7.1955, S. 8.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918