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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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3. Riten, Feiern, Zeremonien Ein straff durchorganisierter Dienstplan, die umfangreiche politische Erzie- hung und eine vernünftige, kultivierte Freizeitgestaltung sollten die Diszi- plin der Besatzungssoldaten steigern und das „moralisch psychologische Trauma“,206 das der Kontrast zwischen dem Lebensniveau in Europa und jenem in der sowjetischen Heimat auslösen konnte, vermindern. Vor diesem Hintergrund legte man zudem besonderen Wert auf die Zelebrierung sowje- tischer Riten, Feiertage und Jubiläen während des Auslandseinsatzes. Dazu gehörten Bestattungszeremonien ebenso wie die Begehung von Festtagen des sozialistischen Jahreskreises, etwa dem Tag der Großen Sozialistischen Okto- berrevolution. Öffentlich zelebriert und propagandistisch verwertet wurden auch die zahllosen Kranzniederlegungen und Ehrenformationen an den Gräbern österreichischer Komponisten, die nicht nur die Hochachtung für die öster- reichische Musik und Kultur unterstreichen, sondern auch Vorurteile ge- genüber der „sowjetischen Barbarei“ entkräften sollten. Semen Gudsenko notierte dazu in seinem Armeetagebuch: „Wien. In der von den deutsch-fa- schistischen Besetzern befreiten Stadt. Auf dem Zentralfriedhof befinden sich die Denkmäler der größten Komponisten. Beethoven, Mozart, Strauß. Unsere Kämpfer und Offiziere besuchen diese Plätze, um die Genies der Musik zu ehren.“207 Als zentraler Bestandteil der sowjetischen Ikonografie der Befrei- ung Österreichs fanden diese Zeremonien unter anderem in visuellen Medien oder den Erinnerungen ehemaliger Besatzungssoldaten ihren Niederschlag, wodurch sie nachhaltig das ideologische Selbstverständnis prägten. 3.1 Bestattungen und Friedhöfe 3.1.1 Mortalität Rund 26.000 sowjetische Soldaten verloren bei den Kämpfen in Österreich ihr Leben, allein 18.000 bei der „Schlacht um Wien“.208 Geht man von 400.000 Rotarmisten aus, die zu Kriegsende auf österreichisches Territorium gelang- ten, ergibt sich daraus eine Mortalitätsrate von beinahe sieben Prozent. Dabei 206 Simonow, Aus der Sicht meiner Generation, S. 104. 207 Klein, Die Russen in Wien, S. 175. 208 Rauchensteiner, Der Krieg in Österreich, S. 191; Stefan Karner – Barbara Stelzl-Marx, Einleitung, in: Stefan Karner – Barbara Stelzl-Marx (Hg.), Die Rote Armee in Österreich. Sowjetische Besatzung 1945–1955. Beiträge. Graz – Wien – München 2005, S. 9–18, hier: S. 9.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
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