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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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3. Riten, Feiern, Zeremonien 621 plan der genannten Objekte, eine Skizze der Monumente sowie eine Namens- liste der beigesetzten Militärangehörigen vorzulegen. Gleichzeitig war der Zustand jeder dieser Anlagen genauestens zu überprüfen. Die Bürgermeister hatten für eine rechtzeitige Schneeräumung Sorge zu tragen.241 Ein prominentes Beispiel für die früh erfolgte Überantwortung ist der „Zentrale Militärgarnisonsfriedhof von im Kampf um Wien gefallenen Mi- litärangehörigen der Roten Armee“ auf dem Wiener Zentralfriedhof, dessen Betreuung Stadtkommandant Generalleutnant Lebedenko am 13. August 1946 offiziell dem Magistrat Wien unter Bürgermeister Theodor Körner über- trug. Die im Auftrag von Marschall Konev und Lebedenko errichtete Anlage bestand zu diesem Zeitpunkt aus einem Obelisken, zwei Denkmälern, einer 108 Meter langen Einzäunung, einer Skulpturengruppe aus zwei Sowjetsol- daten mit gesenkten Fahnen, die ein symbolisches Tor zum Mahnmal bilden, einem weiteren Obelisken auf dem Massengrab, 209 Offiziersgräbern sowie 420 Unteroffiziers- und Mannschaftsgräbern. Zwischen den Gräbern waren 1,20 Meter hohe Thujen gepflanzt worden.242 Das Magistrat Wien sicherte schriftlich zu, die Anlage im „gebührenden Zustand“ zu erhalten, die Gräber „systematisch“ zu pflegen sowie von der Firma Potz zu verlangen, unter anderem noch fehlende Inschriften anzubrin- gen. Außerdem wurde vereinbart, dass fortan das Magistrat die Umbettung sowjetischer Soldaten aus Einzel- und Massengräbern in Wien auf den Zen- tralfriedhof zu veranlassen hatte.243 Noch heute ist die Anlage beinahe unver- ändert erhalten. Sie wurde lediglich im Mai 2007 um zwei orthodoxe Kreuze erweitert. Trotz der 1955 im Staatsvertrag verankerten Regelungen wurden die viel- fach despektierlich als „Russenfriedhöfe“ bezeichneten Anlagen mitunter eher stiefmütterlich behandelt. Manche Grabsteine verloren im Laufe der Jahrzehn- te Form und Farbe, zahlreiche Inschriften sind stark verwittert. Bis vor Kur- zem war ein beachtlicher Teil der als „unbekannt“ beigesetzten Verstorbenen nicht identifiziert, weswegen Angehörige die Grabstätte nicht auffinden konn- ten. In der Steiermark etwa waren nur fünf Prozent der sowjetischen Kriegs- toten namentlich bekannt. Dank der Initiative von Peter Sixl konnten nun 90 241 AM 4. GA, Bestand 4. Garde-Armee, Dok. Nr. 37, Schreiben des stv. Leiters des Stabes der CGV, Oberst Sal’nikov, an die Stadtkommandanten der sowjetischen Besatzungszone Österreichs über die Erfassung von Militärfriedhöfen in Österreich, 7.2.1948. 242 CAMO, F. Berndorf, op. 314018s, d. 1, S. 2f., Akt über die Übergabe der sowjetischen Kriegsgräber- anlage auf dem Wiener Zentralfriedhof in die Zuständigkeit des Magistrats Wien, 13.8.1946. Siehe dazu auch die Abbildung des sowjetischen „Kriegerdenkmals“ in: Hannes Leidinger – Verena Mo- ritz, Russisches Wien. Begegnungen aus vier Jahrhunderten. Wien – Köln – Weimar 2004, S. 181. 243 Ebd.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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