Page - 622 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Image of the Page - 622 -
Text of the Page - 622 -
III. Alltag, Freizeit,
Besatzungsritual622
Prozent dieser Fälle geklärt werden.244 Zu diesem Zweck wurden sowjetische
Unterlagen mit österreichischen Quellen zusammengeführt, um auch die
aktuelle Grablage berücksichtigen zu können.245 Im Rahmen dieser Tätigkeit
werden immer wieder Einzel- oder sogenannte Feldgräber entdeckt, geöffnet
und die sterblichen Überreste in bekannte Grabanlagen überführt.
3.2 Feiern, Kranzniederlegungen, Festtage
Die sowjetischen Besatzungstruppen begingen auch in Österreich die großen
Festtage der Heimat, die sich durch strenge Regelungen auszeichneten.246
Dazu zählte in erster Linie der Tag der Sowjetarmee am 23. Februar, der 1.
Mai als Tag der Arbeit, der Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus bzw. der
Tag des Sieges am 8. und 9. Mai sowie der Tag der Großen Sozialistischen
Oktoberrevolution am 7. November. Außerdem wurde am 13. April der „Ein-
nahme Wiens“ besonders gedacht. Mitarbeiter der SČSK hatten zudem an Fei-
ertagen, die in den Staaten der Westalliierten oder in Österreich galten, frei.
Dies betraf kirchliche Feiertage wie Ostern, Mariä Empfängnis, Allerheiligen
und Weihnachten ebenso wie etwa den amerikanischen Unabhängigkeitstag
am 4. Juli oder „Thanksgiving“.247 Darüber hinaus feierten einzelne militäri-
sche Einheiten die Jahrestage besonderer Auszeichnungen, beispielsweise die
Verleihung eines Garde-Titels an eine Division.248 An diesen Tagen war die
Gefahr, zu viel oder den falschen Alkohol zu konsumieren, besonders groß.249
3.2.1 Tag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution
Den Höhepunkt im sozialistischen Jahreskreis bildete der Tag der Großen
Sozialistischen Oktoberrevolution. So gab es auch in Österreich bereits am
244 Die Erstellung der Datenbank über sowjetische Kriegstote in Österreich wird unter anderem von
der Steiermärkischen Landesregierung gefördert und durch die Botschaft der Russischen Födera-
tion in Wien unterstützt. Für seinen Einsatz bekam Peter Sixl 2006 vom damaligen Präsidenten
Vladimir Putin die höchste Auszeichnung der Russischen Föderation für Ausländer verliehen, den
„Orden der Freundschaft“.
245 Sixl, Sowjetische Tote des Zweiten Weltkrieges.
246 Zur Funktion von Festen als „wichtigste rituelle Form des kulturellen Gedächtnisses“ vgl. Nicolas
Pethes, Kulturwissenschaftliche Gedächtnistheorien zur Einführung. Hamburg 2008, S. 84f.
247 RGASPI, F. 17, op. 137, d. 676, S. 2–143, hier: S. 69f., Nachschlagewerk der grundlegenden Doku-
mente über Fragen der Organisation und Durchführung der Arbeit der Alliierten Kommission in
Österreich, 1951.
248 CAMO, F. 894, op. 1, d. 65, S. 261f., Befehl Nr. 0402 des Kommandeurs der 40. Garde-Schützendi-
vision, Garde-Generalmajor Sucharev, und des Leiters des Stabes, Garde-Oberstleutnant Chimov,
über die Begehung des 3. Jahrestages der Verleihung des Garde-Titels an die Division, 31.7.1945.
249 Siehe hierzu auch das Kapitel B.I 2.4 „‚Amoralische Erscheinung‘ Trunksucht“ in diesem Band.
back to the
book Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955"
Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918