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1. Dokumentarfilme 635
lich über Ereignisse und besondere Errungenschaften berichten durfte.14 Der
heldenhafte militärische Einsatz anonym bleibender Soldaten und die Rol-
le herausragender Militärs wie Marschall Fedor Tolbuchin,15 Marschall Ivan
Konev16 oder Garde-Generalmajor Dmitrij Šepilov, Mitglied des Militärrates
der 4. Garde-Armee, gehören ebenso dazu wie Denkmäler und Wirkungsstät-
ten österreichischer Komponisten oder berühmte Kulturdenkmäler, wodurch
die Rettung einer Kulturhauptstadt durch die Rote Armee angedeutet wird.17
1.1.1 Freund-Feind-Kategorisierung
Gerade die Filme aus der frühen Besatzungszeit porträtierten sympathische,
freundliche Österreicherinnen und Österreicher, die der Roten Armee hel-
fen und ihr danken. Hiermit sollte offensichtlich ein positives Österreichbild
transportiert werden, das generell der auf der Moskauer Deklaration beruhen-
den sowjetischen Politik entsprach und somit eine Differenzierung zwischen
„Deutschen“ und „Österreichern“ verlangte. Die freundschaftlichen Kontakte
dieser ersten Phase kommen etwa im Film „Der 1. Mai in Wien“18 zum Aus-
druck, in dem Rotarmisten mit Wienerinnen Walzer tanzen, oder in der Doku-
mentation mit dem selbstsprechenden Titel „Sowjetische Soldaten rekonstru-
ierten die Brücke über die Alte Donau in Wien“.19 Auch hier erfolgt ein Treffen
zwischen der dankbaren einheimischen Bevölkerung und Vertretern der sow-
jetischen Besatzungsmacht. Die Darstellung der zu Kriegsende in Österreich
agierenden, mit „Faschisten“ gleichgesetzten „Deutschen“ blieb in diesen Fil-
14 Oksana Bulgakova, Der Film der Tauwetterperiode, in: Christine Engel (Hg.), Geschichte des sowje-
tischen und russischen Films. Unter Mitarbeit von Eva Binder, Oksana Bulgakova, Evgenij Margo-
lit, Miroslava Segida. Stuttgart – Weimar 1999, S. 109–181, hier: S. 159.
15 Vgl. etwa RGAKFD, Nr. 11091, Parad na Dunae (1945, CSDF, stumm, schwarz-weiß, Kamera und
Regie: Zaporožskij, 101,4 m).
16 Vgl. etwa RGAKFD, Nr. 11211, Maršal I. S. Konev (1945, CSDF, stumm, schwarz-weiß, Regie: Pe-
trov, m: ohne Angabe); RGAKFD, Nr. 11115, Parad sojuznych vojsk v Vene po slučaju pribytija
komandujuščich sojuznymi okkupacionnymi vojskami (1945, CSDF, stumm, schwarz-weiß, Kame-
ra: Kun, Nebylickij, Pojčenko, 101,4 m).
17 Die zwölfteilige Filmchronik „Die Kämpfe um die Stadt Wien und die Stadt Wien nach der Befrei-
ung“ ist nur eines von vielen Beispielen dafür. Vgl. RGAKFD, Nr. 11335, Boi za gorod Veny i g.
Vena posle osvoboždenija (1945, CSDF, 12 Teile, stumm, schwarz-weiß, Kamera: Frolov, Mamedov,
Rogačevskij, Čiknoverov u. a., 3358 m). Vgl. dazu auch: Barbara Wurm, „Walzer der Freiheit“. (In-)
Offizielle Filmdiplomatie der Sowjetunion. Der Fall Österreich, in: Lars Karl (Hg.), Leinwand zwi-
schen Tauwetter und Frost. Der osteuropäische Spiel- und Dokumentarfilm im Kalten Krieg. Berlin
2007, S. 224–251, hier: S. 245.
18 RGAKFD, Nr. 9213, Den’ 1-go Maja v Vene (1945, CSDF, stumm, schwarz-weiß, Kamera: Mame-
dov, m: ohne Angabe).
19 RGAKFD, Nr. 11251, Sovetskie vojska vosstanovili most čerez Staryj Dunaj v Vene (1945, CSDF,
stumm, schwarz-weiß, Regie und Kamera: Sokol’nikov, 88,7 m).
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918