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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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Page - 643 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

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1. Dokumentarfilme 643 mit dem Film in Verbindung: „Vor dem Krieg gab es bei uns den wunderba- ren Film ‚Der große Walzer‘. Er wurde von einem französischen Regisseur mit einer sehr guten Schauspielerin und Sängerin, der russischen Emigrantin Meliza Korjus, in den USA gedreht. Sie hat so gut gespielt, war eine so schöne Frau, und sie sang so wunderbar. Alle sowjetischen Menschen haben diesen Film unzählige Male gesehen. Strauß war bei uns als Operettenkomponist be- kannt, aber berühmt wurde er erst durch den Film. Als wir über den Friedhof [in Wien] gingen, sagten die Soldaten: ‚Oh, Strauß! Mensch, könnt ihr euch an den Film ‚Der große Walzer‘ erinnern? Johann Strauß, der Komponist!‘“60 Zugleich trug Chaldej auch selbst durch seine Aufnahmen von sowjetischen Soldaten, die Kränze am Grabmal von Strauß niederlegten, zur Verbreitung der Assoziationskette von der Befreiung Wiens durch die Rote Armee und die Ehrerweisungen an Johann Strauß bei.61 Analog dazu kann man auch in einem Großteil der sowjetischen Literatur, die über das Wien der Kriegs- und Nachkriegsjahre geschrieben wurde, Re- miniszenzen an den Film „The Great Waltz“ oder an Strauß finden.62 Grigorij Savenok etwa lässt in „Venskie vstreči“ den Dolmetscher der Wiener Stadt- kommandantur folgenden Rat erteilen: „Fahren Sie im Frühling hierher, in unseren Wienerwald. Kommen Sie früh am Morgen, wenn die Sonne gerade über Wien aufgeht und die Vögel erwachen, um mit einem Lied die Geburt des neuen Tages zu begrüßen. Gehen Sie in das Dickicht, setzen Sie sich hin, schließen Sie die Augen und hören Sie. Und Sie werden ‚G’schichten aus dem Wienerwald‘ hören. Nein, lachen Sie nicht, Genosse Oberst. Sie werden sie hören, unbedingt hören. Denn, ich versichere Ihnen, der große Strauß erfand nichts, erdichtete nichts, als er seine ‚G’schichten‘ auf Notenpapier übertrug. Er saß nur da, hörte und schrieb.“63 Vjačeslav Bunin, der von Kriegsende bis 1950 im Stab der CGV in Baden gedient und anschließend für weitere fünf Jahre in Wien stationiert gewesen war, nannte seine Erzählung über Wien sogar „Venskij val’s“ – „Wiener Wal- zer“. Einleitend verweist auch er darauf, wie ihn der Film bereits im Vorfeld geprägt hatte: „Die Liebe zu dieser Stadt wurde am Vorabend des Krieges geboren, als in einem Dorfklub an meinem Wohnort ein – sowohl hinsicht- lich der Handlung als auch der Zusammensetzung der Schauspieler – her- vorragender amerikanischer Musikfilm gespielt wurde, der sich zur Gänze 60 Jewgeni Chaldej, Der Große Vaterländische Krieg, in: Ernst Volland – Heinz Krimmer (Hg.), Jewge- ni Chaldej. Der bedeutende Augenblick. Leipzig 2008, S. 44–109, hier: S. 79. 61 Siehe dazu auch das Kapitel C.I.2.1 „Zwischen Inszenierung und Dokumentation: Propagandafoto- grafie“ in diesem Band. 62 Toper, Blick aus Moskau, S. 84. 63 Savenok, Venskie vstreči, S. 95.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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